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Finuvandil
22 Jahre alt
14. Januar 2Y83O
Anderweltler / Kräganer .
Vergeben an seinen Sternenkrieger
Gut
New York
Krägan
Character

Finuvandil ist ein sehr aufgeschlossener und wissbegieriger Kräganer. Er sieht oft über den Tellerrand hinaus und ist stets offen für andere Meinungen oder Ansichten. Neue Dinge zu entdecken oder zu lernen macht ihm Freude und er besitzt dabei eine sehr schnelle Auffassungsgabe.
Er hat einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und begegnet seinem Gegenüber stets mit Respekt. Nicht selten wird ihm nachgesagt, eine beruhigende Ausstrahlung zu haben, die dazu führt, dass sich die Leute in seiner Umgebung auf Anhieb wohl fühlen.
Finuvandil ist sehr empathisch, mitfühlend und verständnisvoll. All diese Emotionen liest man ihm direkt vom Gesicht ab, denn er gehört nicht so jenen, die in der Lage sind ihre Empfindungen zu verstecken.
So lobenswert ein gewisses Maß an Neugierde auch ist: Finuvandil ist oftmals zu neugierig. Hinzu kommt noch die Naivität und Unwissenheit wie die Welt außerhalb Krägans funktioniert. All diese Faktoren führen häufig dazu, dass er sich selbst in Schwierigkeiten bringt.
An neue Situationen und Umstände gewöhnt sich der Kräganer sehr schnell. Er ist anpassungsfähig und findet sich sehr schnell mit dem Lauf der Dinge ab, ohne weiter nach dem Warum zu fragen. Vielleicht ist es auch die Anspruchslosigkeit, die dazu führt, dass er sich manchmal etwas zu schnell mit seinem Schicksal abfindet. Nach Höherem zu streben ist etwas, dass er sich als Kräganer nicht unbedingt erlaubt.

Durch gewisse Ereignisse in seinem Leben, war er eine zeitlang sehr übervorsichtig, hatte einen Hang zum Pessimismus entwickelt und nochmal Vertrauen zu jemanden zu fassen schien unmöglich zu sein.
Doch dann gab es eine Begegnung in seinem Leben, die ihm so viel mehr schenkte, als Hoffnung. Durch diese eine Person, fand er zu sich selbst zurück und begann Seiten an sich zu entdecken, die er noch nicht kannte. Durch diesen einen Menschen lernte er, dass er so viel stärker war, als er die ganze Zeit geglaubt hatte.
Finuvandil besitzt einen unbeugsamen Willen und wenn er für sich selbst eine Entscheidung gefällt hat, hält er auch konsequent daran fest.
Der Kräganer ist sehr begeisterungsfähig, vor allem wenn es um Themen wie Technik, Wissenschaft oder übermenschliche Fähigkeiten geht. Da er selbst mit all dem noch nicht sehr bewandert ist, tritt er aber ab und an in Fettnäpfchen oder ihm passieren kleine Schusselfehler im Alltag, die er stets zu vertuschen versucht. Ob es ihm gelingt, ist allerdings die zweite Frage.

+Wissbegierig
+Rasche Auffassungsgabe
+Empathisch
+Anpassungsfähig
+Konsequent
+Respektvoll
+Willensstark

-Neugierde
-Naivität
-Unwissenheit
-Anspruchslosigkeit
-Übervorsichtig
-Pessimismus
-Schusselig

Family

Tabea / Mutter / Verstorben
Eine liebevolle, fürsorgliche Kräganerin, die sich neben Finuvandil auch gern um die anderen Kinder des Stammes kümmerte. Sie brachte ihrem Sohn die Lieder und Gesänge ihres Volkes bei, die in ihrer Kultur wichtig für die 'Heilung' des Geistes waren.
Tabea wurde von einem Indlala getötet, als Finuvandil 10 Jahre alt war.

Acaraho / Vater / Verstorben
Einer der Wortführer seines Volkes. Acaraho war ein sehr stolzer und mutiger Mann, der stets versuchte seine eigenen Werte an Finuvandil weiterzugeben. Ihre Bindung basierte auf gegenseitigem Respekt, jedoch waren sie sich nicht immer einig.
Acaraho stellte sich schützend vor den 16-Jährigen Finuvandil, als die Entführer aus dem Weltall ihr Feuer auf die Kräganer eröffneten.

Seven Sanchez / Sinn & Liebe seines Lebens / In seine Zeit zurückgekehrt
Finuvandil war 20 Jahre, als er den Sternenkrieger auf Epoch kennen und lieben lernte. Er pflegte ihn gesund, nachdem er bei seinem finalen Kampf gegen die Epochias tödlich verwundet wurde. Bereits nach kurzer Zeit, hatten die beiden starke und tiefe Gefühle füreinander entwickelt und fünf Monate später, brachte Seven sie auf den Saturn, welcher dem Kräganer eine neue, sichere Heimat bot.
An die zwei Jahre waren sie miteinander liiert, bis der Sternenkrieger zurück in seine Zeit, ins Jahr 2018 zurückkehrte, um seine Geschwister vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren und damit den Lauf der Dinge zu verändern.

Codename
Fantasma de la Peña
Team
Rising Chaos
Skills

SCHARFER HÖR- UND SEH-SINN

Als Kräganer verfügt Finuvandil über ein deutlich höheres Seh- und Hörvermögen als ein Mensch. Seine Sicht ist mit der eines Raubvogels vergleichbar, welcher seine Beute aus Höhen von über drei Kilometern noch erkennen kann.
Sein Gehör ist etwa viermal stärker, als das der menschlichen Spezies, weshalb er auch die leisesten Geräusche in einem Radius von 50 Metern wahrnehmen kann.

AUSGEPRÄGTER ORIENTIERUNGSSINN UND KLETTERKÜNSTLER

Egal wo man ihn aussetzt: Finuvandil findet immer den Weg zurück. Beinahe so, als steckte ein Kompass in seinem Inneren, der ihm bei der Orientierung hilft. Auch diese Fähigkeit ist bei allen Kräganern angeboren.
Klettern stand für sein Volk an der Tagesordnung, weshalb er in der Lage ist Berge, Mauern oder Gebäude ohne jegliche Hilfsmittel sehr schnell und sicher zu erklimmen.

HEILUNG & SCHARFSCHÜTZE

Finuvandil verfügt über gute medizinische Kenntnisse, da es doch öfter vorkam, dass jemand ihres Stammes verletzt von der Jagd zurück kam. Schon immer war er interessiert am Heilungsprozess und lernte fleißig von den Ältesten.
Darüberhinaus haben die Kräganer bestimmte Gesänge und Lieder die zur Heilung des Geistes dienen. So können sie das Unterbewusstsein eines Verwundeten erreichen, der bewusstlos ist und verhelfen ihm so schneller zur Regeneration - äußerliche/körperliche Wunden können sie damit nicht heilen. Nur geübten Heilern gelingt der Prozess, da es einiges an Kraft und Konzentration kostet. Der Kräganer hält die Hände an den Kopf des Bewusstlosen und stellt durch Gesänge eine Verbinung zu dessen Seele her, um ihn langsam zurück ins Bewusstsein zu führen. Je verirrter der Geist ist (z. B. durch starke Verletzungen), desto schwieriger und länger dauert die Prozedur. Manche Geister, dessen Wunden (ob körperlich oder seelisch) zu groß sind, lassen sich auch gar nicht mehr erreichen.
Durch ihre gute Sicht ist es kein Wunder, dass die meisten Kräganer hervorragende Scharfschützen sind. Dennoch ist Finuvandil einer der Besten, da er selbst in Bewegung niemals sein Ziel verfehlt und immer die Ruhe bewahrt, auch wenn um ihn herum das Chaos wütet.

KOMMUNIKATION & ÜBERLADUNG VON GEFÜHLEN

Kräganer sind in der Lage über Gedanken zu kommunizieren, wenn sie sich berühren (Haut zu Haut Kontakt). Sie können dabei nicht nur ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Empfindungen übertragen, sondern auch die des anderen lesen/spüren.
Bei anderen Anderweltlern können sie durch Berührung den aktiven, obersten Gedanken lesen und sind sehr sensibel für die Aura, die die Person umgibt.
So stellt nicht mal unbdingt die Sprachbarriere eine Schwierigkeit dar, denn Gefühle sagen so viel mehr aus, als Worte. Anlügen sollte man ihn besser auch nicht, denn sobald Körperkontakt entsteht, ist der Lügner enttarnt.
Das Überladen von Gefühlen ist eine Fähigkeit, die Kräganer nur im äußersten Notfall anwenden können.
Werden sie bedrängt, berühren sie ihren Gegner im Gesicht und übertragen mit einem mal so viel negative Gefühle, dass der Verstand des Rivalen unter dem 'Gewicht' an Emotionen zusammen bricht. In den meisten Fällen führt diese Aktion beim Gegenüber zum Bewusstseinsverlust. Bei Individuen mit großer, mentaler Stärke ist eine kurzweilige Benommenheit die Folge. Bei Wesen mit einer mentalen Mauer (z. B. Telepathen) ist die Übertragung wirkungslos.

Weakness

NAHKAMPF

Die Kräganer waren kein Kriegervolk, weshalb er nie gelernt hat, wie man sich am effektivsten körperlich verteidigt. Sicher käme er von selbst auf die Idee sich im Zweifelsfall mit den 'Fäusten' zu wehren, aber geübt ist er darin nicht.

REIZÜBERFLUTUNG

Durch seinen Geburtsort ist Finuvandil ein Kind der Natur und in dieser fühlt er sich auch am wohlsten. Große Städte mit ihrem Lärm, vielen Lichtern und bunten Farben überfordern ihn meist noch. Vergleichbar mit einem Kind vom Land, dass plötzlich mitten in New York City steht, nur nochmal weitaus schlimmer, durch seine scharfen Sinne.

WELTFREMD

Nachdem Finuvandil von seinem Heimatplaneten entführt wurde, lebte er jahrelang allein und isoliert, weshalb er noch nicht viel von der 'großen weiten Welt' gesehen hat. Erst in Seven Town auf dem Saturn lebte er das erste Mal länger unter anderen Anderweltlern (Erdlingen). Trotzdem tut er sich manchmal noch schwer, die Lebens- und Verhaltensweise anderer Völker und Kulturen zu verstehen, ist aber stets bemüht zu lernen.

VERLETZLICH

Außerhalb ihrer scharfen Sinne, sind die Kräganer den Menschen sehr ähnlich. Man kann sie genauso verletzten und auch töten.

Secrets

UNRUHE BEI GEWITTER

Obwohl er Gewitter an sich sehr faszinierend und schön findet, fühlt er sich dabei nicht sonderlich wohl. Erstens sind es die Erinnerungen an sein erstes Unwetter die ihn plagen und zweitens irritiert das Grollen des Donners sowie das Prasseln des Regens seinen Hörsinn enorm.

GEWALTSAME TÖTUNG

Finuvandil ist wie alle Kräganer sehr friedlebend, doch es gab einen Moment in seinem Leben, in dem er aus Hass, Zorn und Rachgelüsten einen Anderweltler heimtückisch tötete. Dabei ging er mit solch einer blinden Wut und dermaßen brutal vor, dass er im Nachhinein sehr erschrocken über seine eigene Tat war.

Handi.
Trait
Zweitcharas
Avatar   Avatar  
Mit den Sternen zu reisen, ist meine Bestimmung
WUSSTEST DU ...
... Finuvandil ein Kräganer (Anderweltler) ist?
... Finuvandil aus der Zukunft kommt?
... sein Heimatplanet Krägan in seiner Zeit zerstört wurde?
... er hauptsächlich über Gedanken kommuniziert?
... der Kräganer Konflikten lieber aus dem Weg geht?
... er kein Krieger, jedoch hervorragender Schütze ist?
... er mit Seven Sanchez liiert ist?
... Seven für ihn der Teil seiner Seele ist, der ihn erst komplett macht?
... er von Seven nur 'Fin' genannt wird?
... er ein Faible für schwarzen Kaffee hat?
... der Klang von Regen und Donner ihm gefällt, aber zeitgleich auch Angst macht?
... Fin immer eine gewisse 'Ruhe' ausstrahlt?
... sein Blut purpurfarben ist?
... er ein sehr heller Hauttyp ist und die Sonne darauf auch keinen Einfluss nimmt?
... er sehr naturverbunden und feinfühlig für seine Umgebung ist?
... Finuvandil auf Krägan mit riesigen Monstern zusammengelebt hat, weshalb er kein einziges Tier der Erde als 'bedrohlich' einstuft?
... ein Geburtsmal an der Hüfte trägt, dass wie das chinesische Zeichen für Sieben aussieht?
History

Einst gab es einen Planeten der den Namen Krägan trug. Mit seinem 2.100 Kilometer Durchmesser war er weder besonders groß, noch besonders reich an Vegetation. Hohe, raue Berge, karge Landschaften, seichtes Gewässer - dies waren die Eigenschaften des kleinen Planeten. Das Klima war immerzu kühl, egal ob bei Tag oder Nacht. Wind zog eher selten auf, Regen gab es nicht, ebenso wenig wie Schnee. Krägan hatte nicht viel Abwechslung zu bieten, doch wer vermisste schon Dinge, die er nicht kannte?
Die Kräganer liebten ihre Heimat, so auch Finuvandil.
Das Leben dieses Volkes war schlicht und einfach, aber auch gefährlich. Ihr zu Hause teilten sie mit monströsen Wesen die sie 'Indlala' nannten, was in ihrer Sprache 'Hunger' bedeutete. Diese Geschöpfe gingen auf vier Beinen, hatten eine starke, beinahe undurchdringliche Haut die einer Rüstung glich und ein verdammt gutes Gehör. Sie waren an die 40 Meter lang und 30 Meter groß. Und sie hatten immer Hunger.
Neben den Kräganern und den Indlala's, bewohnten noch andere, kleinere Wesen den Planeten, doch diese schienen nur zu leben, um von den großen Jägern gefressen zu werden.
Um vor den immerzu hungrigen Monstern sicher zu sein, lebten die Kräganer auf den Spitzen ihrer steilen Berge. Sobald sich ein Ungetüm näherte, wurde es sogleich mit Feuerwaffen beschossen, denn dies war ihre Schwachstelle. Die massive Sehstärke des Volkes, sowie ihr scharfes Gehör, verhalf ihnen zu einem relativ friedlichem Leben.

Schon als Kind wurde Finuvandil beigebracht, mit Distanzwaffen umzugehen, war dies für sie schließlich überlebenswichtig. Sie waren kein Kriegsvolk und dennoch mussten sie von klein auf lernen, sich und ihr zu Hause gegen die Indlala's zu verteidigen.
Auf einer Bergspitze lebten an die 30 Kräganer zusammen. Die Frauen kümmerten sich gemeinsam um den Nachwuchs, während die Männer meist auf die Jagd gingen. Mit 7 Jahren wurde Finuvandil zum ersten mal an den Rand des Berges mitgenommen. Hier fanden sich die Schützen zusammen, die den Heimatfels vor den feindlichen Wesen behüteten. Als er zum ersten mal eines dieser riesigen Geschöpfe erblickte, wurde ihm Angst und Bange, doch zeitgleich war er erstaunt, wie schnell es seinem Volk gelang, das Tier in die Flucht zu treiben.
Regelmäßig musste ein Trupp von ihnen den Berg verlassen um zu jagen. Immerhin brauchten die vielen Mäuler etwas zu essen. Es war immerzu ein hoher Aufwand, ein Indlala zu erlegen. Es kostete Zeit, Kraft und Geduld. Mehrere Schützen von verschiedenen Bergen fanden sich zusammen und griffen das Geschöpf von allen Seiten an. So undurchdringlich ihre Haut auch war, nach vielen Stunden gab sie nach und das Fleisch darunter war zart, köstlich und nahhaft. Glücklicherweise lebten die Geschöpfe nicht in Gruppen, sondern wanderten hauptsächlich allein über die karge Landschaft. Das größere Problem, war ihr gutes Gehör, mit dem sie auch nur kleinste Bewegungen in ihrer Umgebung wahrnahmen.
Doch auch hier, wussten die Kräganer Rat.

Außerhalb ihres scharfen Seh- und Hörsinnes, verfügten sie noch über die Fähigkeiten der Gedankenübertragung. Sie konnten miteinander kommunizieren, in dem sie gegenseitig ihre Haut berührten, doch das war nicht alles. Wenn sie wollten konnten sie auf diesem Wege auch die Gefühle und Emotionen ihres Gegenübers spüren und die ihren übertragen.
So hatte das Volk, schon Generationen vor Finuvandils Geburt, beschlossen sich auf diese Kommunikation zu beschränken. Je leiser sie waren, desto sicherer waren sie.
Sie hatten gelernt, das Beste aus ihrem Leben zu machen, doch manchmal war das Beste nicht gut genug.
Im Alter von 10 Jahren befand sich Finuvandil mit mehreren Mitgliedern seines Volkes auf dem Weg nach unten, um Wasservorräte aufzufüllen. Dabei kam es zu einem Ereignis, dass er niemals vergessen würde. Einen kurzen Moment lang hatten sie sich der Achtlosigkeit hingegeben, während sie Späße machten und sich gegenseitig nass spritzten. Schließlich hatten ihre Späher von oben ihnen bestätigt, dass alles ruhig war und sie selbst hatten auch nichts bemerkt.
Seine Mutter stand am Ufer des Wassers, als hinter ihr ein fürchterliches Raunen zu hören war. Alles geschah innerhalb von Sekunden, doch für den jungen Kräganer lief alles wie in Zeitlupe ab. Hinter seiner Mutter schoss eine Fontäne nach oben, während sich ein junges Indlala vom Untergrund an die Oberfläche bohrte. Dessen scharfes Maul umschloss den Oberkörper seiner Mutter. Das Reißen von Fleisch und das Krachen von Knochen bohrte sich in sein Bewusstsein. Während alle um ihn rannten und schrieen, verfiel er in eine Schockstarre und stand einfach nur mit weit aufgerissenen Augen da. Das Monster riss seinen Kopf nach oben und der Leib der Frau schoss kurz durch die Luft. Solange, bis ein zweites Junges erschien und ebenfalls zuschnappte.
Finuvandil war wie paralysiert, bis hinter ihm die Jäger erschienen, die sogleich auf die Jungtiere schossen. Sein eigener Vater zwang ihn zur Besinnung und befahl ihm zu Laufen.
Die Kräganer waren vortrefflich im Klettern, doch diesmal waren seine Glieder schwer wie Blei.

Der Verlust seiner Mutter ließ ihn nicht nur trauern, er hatte auch Angst. Er bekam die Bilder nicht mehr aus seinem Kopf und allein der Gedanke nochmal ein Indlala zu sehen, verstörte ihn regelrecht. Sein Vater versuchte gar nicht erst, ihm gut zuzureden. Er sollte das Geschehene nicht vergessen. Es sollte ihn immer daran erinnern, dass es für sie dort unten lebensgefährlich war. Zeitgleich jedoch, verlangte er von Finuvandil sich direkt seiner Furcht zu stellen. Es war ihr Schicksal ihren Planeten mit diesen Geschöpfen zu teilen. Er konnte und durfte nicht davon laufen.
Gerade mal drei Tage später, gingen sie wieder auf die Jagd. Finuvandil's Beine zitterten wie Espenlaub, ebenso wie seine Arme die die Schusswaffe hielten. Seine Augen erfassten das große Tier in der Ferne, doch es gelang ihm nicht den Abzug zu drücken. Just in dem Augenblick berührte sein Vater ihn an der Stirn und übertrug ihm zwanghaft all seine Emotionen. Hass, Wut, Töten, Hass, Wut, Töten. Die Gefühle strömten durch jede Faser in seinem Körper und er ließ es geschehen. Ließ zu, dass sie Schwäche, Trauer und Furcht in diesem Moment davon trugen und straffte seine Muskeln. Mit dem nächsten Atemzug schoss er auf das Indlala. Immer und immer wieder. Er sah zu seinem Vater und sie nickten sich zu, ehe die Jagd weiterging. Der erste und damit schwierigste Schritt war getan und dadurch ließ sich der Schmerz künftig wesentlich leichter ertragen.

Etwa drei Jahre später, geschah es zum ersten Mal, dass die jungen Kräganer schwarze Punkte über ihrem Himmel entdeckten. Technisch gesehen war das Volk auf keinem sehr hohem Level, weshalb es weder Alarme noch Sicherheitsvorkehrungen für dieses Problem gab: Meteoriten.
Die Bedrohung kam immer näher und sogar am unruhigen Verhalten der Indlalas konnte man sehen, dass ihnen etwas Schlimmes bevorstand.
Je näher die Flecken kamen, desto größer wurden sie. Finuvandil stand mit mehreren am Rand ihres Berges und beobachtete das Schauspiel gebannt, bis die Ältesten kamen und sie mahnten sich gefälligst zurückzuziehen. Dann ging aber plötzlich alles ganz schnell. Mehrere gigantische Brocken drangen in ihre Atmosphäre ein. Sie kollidierten meilenweit entfernt mit dem Boden und dennoch brachte der Aufschlag alles ins Wanken. Finuvandil stützte sich mühsam ab und sah wie kleinere Felshügel von einer Druckwelle erfasst wurden, die sie mühelos niederriss.
Selbst das Gestein ihres Berges begann unter ihren Füßen zu erzittern. Panisch sahen sich die Kräganer um, versuchten irgendwo Halt zu finden. Manche schrieen verzweifelt, dass sie vom Berg runter mussten, doch die Älteren forderten nach Ruhe. Ihr Berg sei weit genug vom Aufschlag fern meinten sie, doch Finuvandil war dennoch verunsichert. Vom Rand des Berges drangen klagende Schreie an seine Ohren. Zwei andere Berge, die dem Einschlag näher waren und von Kräganern bewohnt wurden, brachen in sich zusammen und hinterließen nichts als eine dichte Staubwolke. Völlig erstarrt blickte er in die Ferne, während der Schock sich tief in seinen Körper fraß.

Sofort machte sich ein großer Teil ihres Berges auf den Weg, nach Überlebenden zu suchen. Auch Finuvandil schloss sich dem Trupp an. Stundenlang verbrachten sie in den Trümmern, doch was sie fanden, war nur der Tod. Binnen von Sekunden, war das Leben von an die 60 Kräganern ausgelöscht worden. Dieses Ereignis hinterließ seine Spuren und bereits am nächsten Tag, gab es große Diskussionen. Ein Teil ihrer Sippe forderte, den Felsen zu verlassen. Sie waren der Meinung auf dem Boden eine höhere Chance zur Flucht zu haben, sollte der nächste Meteoriten-Einschlag kommen. "Hier oben sitzen wir in der Falle!" "Aber unten lauern die Indlalas!" So angespannt hatte Finuvandil sein Volk noch nie gesehen und lange hatten sie nicht so viel 'geredet' wie jetzt. Er selbst hatte Angst vor beiden. Den Monstern die dort unten lauerten, aber auch von der Gefahr von oben. Letztlich fand er jedoch, dass auch der Boden nicht ausreichend Schutz gewährte. Sollte ein großer Stein aus dem Weltall auf sie hinab stürzen, war es doch gleich, ob sie sich auf dem Berg oder der Erde befanden.
"Vielleicht können wir etwas bauen...", überlegte er und meldete sich erstmalig zu Wort. "Etwas, dass uns hilft schneller vom Berg zu gelangen, wenn die Meteoriten kommen... Vielleicht können wir irgendwie von hier oben hinunter segeln - Wie die Intaka!" (Intaka waren mittelgroße, fliegende Geschöpfe). Sein Vorschlag führte zu einem Raunen durch die Menge. Manche schüttelten den Kopf, manche überlegten. Für ihn war es eine Art Kompromiss. Weiterhin auf dem Berg zu leben erschien ihm sinnvoll, doch sie brauchten gut und gerne 10 Minuten, bis sie ihn verlassen hatten.

Letztlich war es sein eigener Vater, der allen Gedanken einen Strich durch die Rechnung machte. "Wir sind Kräganer", sagte er erzürnt. "Wir werden auf dem Berg geboren, wir leben hier und wir sterben hier." Finuvandil betrachtete ihn aus skeptischen Augen, doch er erläuterte weiter. Er sprach davon, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis ihr Volk gänzlich ausgelöscht wurde. In den letzten Jahren hatte es keinen überlebensfähigen Nachwuchs mehr gegeben. Das jüngste Mitglied ihres Stammes war bereits 7 Jahre alt. Die hungrigen Monster am Fuß ihres Berges, die Meteoriten-Schauer, die ihren Planeten immer wieder in Grund und Boden erschütterten - Für ihn waren all das Zeichen. Zeichen des Universums. "Manchmal wird etwas erschaffen, dass nicht in der Lage ist auf Dauer zu bestehen. Unser Volk ist dem Tod geweiht. Egal ob hier in unserem sicheren zu Hause, dort unten bei den Indlala's oder fliegend durch die Lüfte... Es wird so kommen. Also vergeuden wir keine Zeit für mögliche Änderungen. Ihr könnt nicht verhindern, was euch vorbestimmt ist."
Vorbestimmt? Glaube sein Vater daran? Das alles vorbestimmt war? Hatten sie keine Chance den Verlauf der Geschichte selbst zu beeinflussen? Mussten sie wirklich alle sterben?
Finuvandil fühlte sich machtlos und schwach, wagte es nicht das Wort erneut zu erheben. Trinea, die Enkelin des Ältesten, legte ihre Hand auf seine Schulter und übertrug ihm somit ihre Gedanken. "Deine Idee ist nicht schlecht", sagte sie. "Lass uns später nochmal darüber reden."

Es kam, wie es kommen musste. Mehrere Kräganer verließen den Heimatberg, um sich ein Leben auf dem Boden aufzubauen. Finuvandil fand das nicht richtig, doch was hatte er für ein Recht sie umzustimmen? Jeder musste selbst entscheiden, was er wollte. Trinea und er beschlossen heimlich an Entwürfen von Flügeln zu werkeln, mit dessen Hilfe sie schneller vom Berg herunter kamen, so es nötig war. Allerdings gestaltete sich das schwieriger als gedacht, weshalb er sich fragte, ob es nicht doch eine blöde Idee gewesen war.
Ein paar Tage später, kehrten drei der Kräganer zurück, die den Berg zuvor verlassen hatten. Sie zitterten am ganzen Leibe und man sah ihnen an, dass sie die letzten Tage nichts getan hatten, als um ihr Überleben zu kämpfen. Auf die Frage hin, wo der Rest von ihnen war, schüttelten sie nur den Kopf und weinten. Die anderen waren tot. Von ehemalig 12 Bewohnern, waren nur noch drei Heim gekehrt. Finuvandil spürte die Trauer in sich und sah langsam zu seinem Vater, auf dessen Gesicht sich nur eines spiegelte - Wissen. Langsam realisierte Finuvandil, dass er möglicherweise gar nicht so falsch lag mit seiner Annahme. Scheinbar wurden sie wirklich immer weniger. Sie waren wohl wirklich eine Zivilisation die zum Aussterben verurteilt war.
Er hörte auf, an den Entwürfen zu arbeiten und machte einfach so weiter wie bisher, versuchend das Damoklesschwert zu ignorieren, dass fortwährend unheilvoll über ihm schwebte.

In den nächsten Monaten wurde ihr Planet immer wieder von Meteoriten-Einschlägen heimgesucht, doch ihr Heimatberg hatte Glück und blieb von Schäden verschont. Die Kräganer lebten ihr Leben weiter wie gehabt, denn was hatten sie für eine Wahl? Auch Finuvandil, der inzwischen 16 Jahre alt war, hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden. Er gehörte zu einem der besten Schützen seines Volkes und war immer ganz vorne mit dabei, wenn es darum ging ein Indlala zu jagen.
Er hatte keine Zuversicht mehr, in seinem Leben nochmal etwas spannendes zu erleben oder wichtiges zu bewirken. Letztlich lebte er, um zu sterben und das war alles.
Daher traf ihn das aufflammende Gefühl der Hoffnung völlig unvorbereitet, als sich ihrem Berg eines Tages plötzlich ein Raumschiff näherte.
Finuvandil selbst und auch die jüngeren Kräganer hatten noch nie eines gesehen. Nur die Ältesten hatten hin und wieder von Besuchern aus anderen Welten erzählt. Völlig beeindruckt und von Neugierde geleitet näherten sich die Bergbewohner dem Sternenschiff. War das die Lösung? Die Rettung? Wer auch immer hier gelandet war, konnte womöglich helfen. Dies waren die Gedanken die dem jungen Kräganer durch den Kopf gingen, als sich eine Tür öffnete und mehrere Männer heraus kamen.

Sofort übernahm Trineas Großvater Utlapa, der Älteste ihres Volkes, das reden. Er war der Einzige, der die 'fremde' Sprache verstand. So wie sie begannen miteinander zu sprechen, übersetzte er in krägan. Dabei erfuhren sie, dass die Mannschaft nur kurz notgedrungen bei ihnen gelandet war, da es wohl leichte Komplikationen in ihrem System gab. Im gleichen Atemzug sagte er etwas, dass Utlapa erstmal ins Stocken brachte, ehe er übersetzte. Allem Anschein nach, raste ein großer Feuerball auf ihren Planeten zu, dessen Aufprall verheerende Folgen für Krägan haben würde. Höchstwahrscheinlich führte es zu seinem endgültigem Untergang.
Es herrschte Stille in den Reihen der Bewohner und sogleich suchte Finuvandil die Augen seines Vaters, während Utlapa und der Fremde weitersprachen.
Letzterer bot völlig von selbst Hilfe an, indem er sagte, dass sie ein paar Kräganer vor diesem Schicksal bewahren konnten. Vorzugsweise natürlich die Jüngeren. "Sie haben auf ihrem Schiff platz für 15 von uns, mehr ist nicht möglich", erklärte Utlapa und wieder sahen sich die Kräganer fragend an.
Finuvandil fühlte sich völlig verunsichert. Er wollte nicht sterben. Er fürchtete den Tod. Er war noch nie der gleichen Ansicht wie sein Vater gewesen, hatte diese aber lange akzeptiert, weil es keine Alternative gab. Nun aber war die Rettung nur ein paar Meter von seinen Füßen entfernt.
15 Kräganer. Es klang nicht nach viel, doch in Anbetracht der Tatsache, dass von ihnen nicht mehr viele übrig waren, war es ein wundervolles Angebot und Geschenk. Doch würde er überhaupt unter diesen 15 sein? Er würde sich niemals vordrängeln, aber... etwas in ihm wollte Leben. So. Unbedingt. Leben.

Er zuckte leicht zusammen, als er die Hand seines Vaters im Nacken spürte und dessen Gedanken in seinem Kopf hörte. "Ich weiß was du denkst. Ich weiß, du denkst es ist Erlösung, doch du läufst nur vor etwas davon, vor dem du nicht flüchten kannst. Wir müssen alle irgendwann sterben. Möchtest du wirklich deine Heimat verraten, Sohn?" Finuvandil presste die zittrigen Lippen aufeinander. Tränen sammelten sich in seinen dunkelbraunen Augen und er atmete schwer. "Du hängst so sehr am Leben Finuvandil... Und dennoch habe ich dich die letzten Jahre mehr über den Tod trauern sehen, statt dich am Leben zu erfreuen. Sag mir also... bist du es überhaupt wert von diesen Leuten 'gerettet' zu werden? ... Du kennst die Antwort. Bleib hier. Bleib Krägan treu. Kein anderer Ort könnte jemals deine Heimat sein, Sohn. Keiner." Die Verbindung endete und der junge Kräganer senkte seinen Blick. Seine Hände waren zu Fäusten geballt. Er wollte seinen Planeten nicht verraten. Er wollte sein Volk nicht verraten, aber-
"Jeder, der den Wunsch hat Krägan zu verlassen, soll bitte vortreten", sprach Utlapa schließlich und ließ seine weisen Augen durch die Reihen gleiten. Trinea war eine der Ersten die nach vorne schritt und gleichzeitig warf sie Finuvandil einen auffordernden Blick zu. Doch er blieb stehen, schüttelte den Kopf und traf damit natürlich auf Unverständnis. In den letzten Jahren waren sie gute Freunde geworden, auch wenn sie mehrere Jahre älter war als er. Sie wusste, wer eigentlich das Problem war und sah seinen Vater aus gefährlichen Augen an.

"Gebt mir euer Wort, unsere Kinder gut zu behandeln", sagte Utlapa schließlich und reichte dem Fremden seine Hand. Für diese Geste zog der Mann aus dem Weltraum seinen Handschuh aus und schlug ein. Daraufhin begannen sich die Augen des Ältesten zu weiten und er schrie nur ein Wort: Xoin - Verräter.
Reflexartig gingen die Kräganer in Verteidigungsstellung. Jene die konnten, griffen nach ihren Waffen und die Jungen zogen sich erschrocken von den Fremden zurück. Die Besatzung des Schiffes wirkte irritiert, während Utlapa weiter zu seinem Volk sprach.
"Niemand der mit ihnen geht ist sicher. Ihre Absichten sind feindselig. Sie-", doch dann verstummte er. Der Fremde hatte ihn niedergeschlagen und kurz darauf gab er seinen Leuten den Befehl zu schießen.
Ihre Waffen waren besser, schneller und tödlicher, als es die der Kräganer jemals hätten sein können. Schreie, Blut, Grausamkeit, Zerstörung. Innerhalb von Sekunden wurde der Großteil des verbliebenen Volkes niedergeschossen.
Als Finuvandil das nächste mal aufsah, war der steinige Boden vom purpurfarbenen Blut seiner Brüder und Schwestern getränkt. Der leblose Körper seines Vaters lag direkt vor ihm. Als die ersten Schüsse gefallen waren, hatte er sich schützend vor seinen Sohn gestellt. Keiner der überlebenden Kräganer wagte es, sich zu bewegen. Der Fremde sprach Worte, die keiner mehr verstand, denn der Älteste war tot. Schließlich begannen die Männer damit, die Überlebenden genau zu inspizieren. Manche wurden daraufhin zu Boden gestoßen, andere nach vorne, Richtung Raumschiff gezogen.
Als einer der Männer bei Finuvandil angelangt war, griff er ihm in den Haarschopf und zwang ihn somit Augenkontakt zu halten. Nach einer kurzen Musterung erfolgte ein Nicken und er wurde ebenfalls zum Schiff gebracht.

Der Kräganer durchschritt die Tür, wurde durch einen Gang und anschließend in einen Raum gedrängt, in dem schon einige seiner Freunde saßen. Hinter ihnen befand sich eine große Glasfront, durch die sie nach draußen sehen konnten. Er sah wohl einen Augenblick zu lang hinaus, denn sofort wurde er gewaltsam dazu gebracht, sich zu setzen.
Die Kräganer konnten Gefühle, Emotionen und Gedanken nur zu 100% wahrnehmen, wenn sie Körperkontakt hielten. Allerdings waren sie sensibel genug, gewisse Schwingungen zu bemerken, wenn die Impulse stark genug waren. Finuvandil kannte die Gedanken seiner Peiniger nicht und dennoch wusste er, dass von ihm verlangt wurde sich nicht zu bewegen und still zu verhalten.
Direkt nach ihm, kam Trinea dazu, worüber er sehr dankbar war. Nachdem der fünfzehnte seines Volkes bei ihnen ankam, war der Raum gefüllt. Die Türen wurden verriegelt und zwei bewaffnete Männer nahmen ihren Platz davor ein. Finuvandil sah in die Gesichter der anderen. Er sah Trauer, Verzweiflung und Angst.
Als sich das Schiff erhob, warfen sie einen letzten Blick auf ihren Heimatberg. Er war von Leichen übersät, vereinzelt konnte Finuvandil Bewegungen ausmachen, von Kräganern die überlebt hatten. Erst jetzt, begann er langsam zu realisieren was hier passierte und dass er seinen Vater verloren hatte.
Vor seinen Augen wurde Krägan immer kleiner und die Weiten des Universums rückten näher. Womöglich hätte er sich an diesem Anblick erfreut, doch nicht in diesem Zustand. Voller Wehmut und Reue blickte er auf seinen Planeten, den er wohl nie wieder sehen oder betreten würde. Ein grelles Licht bohrte sich in seinen Fokus und er sah einen riesigen Feuerball, der sich rasend schnell auf Krägan zubewegte. Also hatten sie nicht gelogen, was dies anbelangte. Sie waren wirklich dem Untergang geweiht. Wie sein Vater immer gesagt hatte. Er warf einen Blick auf die bewaffneten Männer, die lachend miteinander tuschelten und in diesem Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als einfach gemeinsam mit seinem Berg unterzugehen zu dürfen.

Sie waren bereits Stunden unterwegs und Finuvandil fielen vor Erschöpfung immer wieder die Augen zu, obwohl an Schlaf in keinster Weise zu denken war. Plötzlich spürte er Trineas Hand auf seinem Unterarm. Ihre Entführer waren brutal und in der Übermacht, aber glücklicherweise hatten sie noch nicht kapiert, wie die Kräganer untereinander kommunizierten konnten.
"Ich kann verstehen, was sie sagen."
"Kannst du? Wie-"
"Mein Großvater hat mir die Sprache gelehrt. Ich verstehe nicht alles, aber ein bißchen." Trinea lauschte, ließ sich äußerlich nichts anmerken und gab die Worte die sie verstand, direkt an Finuvandil weiter.
Die Männer sprachen davon, dass sie die Kräganer erstmal zur 'Zwischenlagerung' bringen würden und überlegten, an wen sie sie verkaufen konnten. Der Name 'Epoch' fiel dabei und das es letztlich ohne hin wieder darauf hinaus lief, da diese am besten für Frischfleisch zahlten. Finuvandil lief ein eisiger Schauer über den Rücken, doch Trinea ließ ihre Zuversicht auf ihn einströmen. "Halte dich an mich. Alles wird gut."

Nach weiteren Stunden, steuerten sie einen kleinen Planeten an und die Kräganer sahen neugierig nach draußen. Zunächst war nichts zu sehen, als hellbrauner Sand, bis sie über eine Bergregion flogen, die ihnen sogleich vertraut vorkam. Dann wieder Sand und schließlich eigenartige Gebäude, die ebenfalls an ein Raumschiff erinnerten. Nur eben wesentlich größer.
Finuvandil war noch mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, als Trinea ihn erneut berührte. Sie weihte ihn in ihren Plan ein und er sah sie leicht erschrocken an. Ihre Idee war gut... Allerdings führte sie, wenn sie funktionierte, nur zu der Rettung von ihnen beiden. "Willst du die anderen hier lassen?" "Das müssen wir. Fürs erste. Entweder wir oder keiner, Cwaka."
Cwaka stand für Ruhe. Trinea hatte ihm diesen Rufnamen gegeben, da sie fand, dass Finuvandil immer eine gewisse Ruhe ausstrahlte, egal wie chaotisch oder brenzlig Situationen auch waren.
Als die Männer anfingen ihre Brüder und Schwestern hinaus zu führen, tat Trinea so, als hätte sie einen Nervenzusammenbruch. Sie sackte zusammen und weinte, während Finuvandil sie tröstete. Sie blieben als letzte zurück und einer der Männer näherte sich. Sie sollte sich bewegen und keinen Aufstand machen.
Der Mann beugte sich zu Trinea und in dem Augenblick drückte Finuvandil seine Hand auf dessen Gesicht. Innerhalb weniger Sekunden ließ er die Gefühle und Empfindungen seiner schlimmsten Erfahrungen in das Bewusstsein des Mannes fließen. Angst, Pein, Not, Schmerz, Schock - Alles strömte mit einer derartigen Wucht auf ihn ein, dass sein Verstand es nicht mehr fassen konnte und er zu Boden ging. Ungnädig blickte Finuvandil auf ihn herab, während Trinea seine Waffen an sich nahm und ihm einmal damit heftig den Schädel zertrümmerte. Die Gewaltbereitschaft verstörte ihn einen Momentlang, aber dann rief er sich ins Gedächtnis, dass sie es mit seinem Volk nicht anders gemacht hatten.

Schnell zog sich Finuvandil die Kleidung des Mannes an und führte Trinea Richtung Ausgang. Auf ihrem Weg begegneten sie noch einem weiteren Peiniger und diesmal war es Trin die ihn mit ihren Gefühlen überlagerte, ehe sie sich seine Sachen überzog. So unauffällig wie möglich, gingen sie nach draußen und Finuvandil sah kurz den anderen Kräganern nach, die ins Gebäude geführt wurden. Trinea und er hatten einen anderen Plan. So weit wie möglich weg von diesem Ort, Richtung Gebirge. Dort würden sie Schutz finden, dessen waren sie sich sicher. Wenn sie es erstmal geschafft hatten zu entkommen, konnten sie sich noch immer Gedanken machen, wie es weiter ging.
Sie liefen um das Raumschiff herum und begannen dann zu rennen. Immer weiter und weiter, bis sie den ersten Hügel hinter sich gebracht hatten. Nach einer kurzen Verschnaufpause, liefen sie weiter. Immer und immer tiefer ins Gebirge hinein. Sie waren sich bewusst, dass es auffallen würde. Es waren nur noch 13 Kräganer und zwei ihrer Leute waren tot. Ihre Entführer hatten sie eindeutig unterschätzt, aber das hieß noch lange nicht, dass sie gewonnen hatten. Sie wussten weder, ob es hier Nahrung gab, noch, ob außerhalb dieser Sklavenhändler andere Gefahren auf sie lauerten. Dies hier war nicht ihre Heimat. Sie waren fremd und wussten gar nichts. Alles was sie für den Moment hatten, war ihre Freiheit und das Bewusstsein, nicht allein zu sein.

Drei Tage vergingen. Drei Tage in jenen sie die Hügellandschaft erkundeten und sich zwischenzeitlich immer wieder versteckten, denn natürlich suchte man sie.
Dann schließlich, erreichten sie das nördliche Ende der Gebirgskette. Vor ihnen erstreckte sich ein gewaltiges Sandreich. Nichts außer braunem Korn und leblosem Land. Trinea deutete mit ihrem Kopf darauf und fragte ihn gedanklich, was er glaubte, was dahinter sei. Wahrscheinlich gar nichts, erwiderte er. Abgesehen davon konnten sie es sich ohne hin nicht leisten, die fragliche Reise auf sich zu nehmen. Hier in den Bergen fanden sie Schutz, dort auf dieser offenen Steppe, waren sie ein leichtes Ziel und einmal dort, kamen sie nicht mehr so schnell zurück. Kräganer hatten von Naturaus einen hervorragenden Orientierungssinn, sodass es für sie nun nur noch einen Teil des Gebirges gab, welchen sie noch nicht inspiziert hatten. Wie sich herausstellte, sollte ihr Glück sich dort bündeln.
Sie fanden nicht nur einen großen, klaren Bergsee, von welchem sie Trinken konnten - er bot ihnen auch Nahrung. Fischartige Wesen schwammen darin und endlich hatten Hunger und Durst ein Ende. Doch auf der Flucht, waren sie noch immer.
Immer wieder liefen Suchtrupps gewisse Pfade ab, doch durch ihre scharfen Sinne, waren die Kräganer stets im Vorteil. Sie sahen und hörten sie schon kommen, lange bevor sie begannen sich anzuschleichen.

Weitere Tage vergingen und immer wieder wagten sich die beiden zurück zum Ausgangspunkt. Dabei wussten sie noch nicht einmal, ob der verbliebene Rest ihres Volkes noch da war. Finuvandil ließ es trotzdem keine Ruhe. Auch wenn die Chancen schlecht standen, wollte er sich vergewissern. Er wollte sie befreien, doch Trinea riet davon ab. Beharrte darauf, dass sie sicher längst weg waren und gab außerdem zu bedenken, dass sie zu zweit niemals gegen all die bewaffneten Soldaten ankommen würden. "Lassen wir es gut sein", waren ihre Worte und Finuvandil folgte ihr wehmütig.
Die Aussicht darauf diesen Planeten jemals zu verlassen, standen nicht nur schlecht, es schien ihnen schier unmöglich. Sie konnten sich der Station nicht nähern und selbst wenn es ihnen gelingen würde, ihre Entführer auszuschalten: Wie ging es weiter? Ob sie dazu fähig wären ein Raumschiff zu fliegen? Es war alles zu vage und unsicher. Sie zogen es vor, sich mit dem zu arrangieren, was sie hatten. Machten sich scharfe Waffen aus Stein, falls sie sich verteidigen mussten und hielten sich immer in der Nähe des Sees auf, in dem Trinea nur zu gern nackt baden ging.
Überhaupt begann sie langsam damit, Anspielungen zu machen und erhoffte sich dadurch, dass Finuvandil sie irgendwann nicht nur als 'große Schwester' ansah, sondern als begehrenswerte Frau. Aber er wollte und konnte nicht. Längst war er sich bewusst, dass ihn männliche Körper weitaus mehr ansprachen, als weibliche.
Nachdem er ihr dies gedanklich mitteilte, wirkte sie enttäuscht, akzeptierte seine Haltung jedoch - mehr oder weniger. "Wir haben nur noch uns. Deine Meinung wird sich vielleicht noch ändern", waren ihre Worte. "Ich würde an deiner Stelle nicht darauf warten", waren seine.

Die Tage zogen an ihnen vorbei und sie begannen sich allmählich sicherer zu fühlen. Doch wieder zeigte sich, dass diese Annahme mehr als naiv gewesen war. Finuvandil und Trinea saßen gerade am Eingang einer Höhle, als ein sonderbares Grollen zu hören war. Erschrocken sahen sie einander an und zogen sich etwas weiter ins Innere zurück. Mächtige, dunkle Gebilde zogen am Himmel auf. Ein Lichtstrahl erhellte die Dunkelheit, kurz darauf der nächste dumpfe Ton, der ihre Körper erschaudern ließ.
Während Trinea sich weiter zurückzog, ging Finuvandil weiter nach vorne und betrachtete das Schauspiel der Natur. Nie zuvor hatte er so etwas gesehen. Nur wenig später, begann es zu regnen, doch auch das kannte er nicht. Mit fraglichem Blick streckte er die Hand aus und sogleich landeten mehrere Tropfen auf seiner Haut. "Was machst du da?" zischte sie. "Komm schon. Es tut nicht weh. Es ist nur Wasser... Wasser das vom Himmel fällt..."
Trin war skeptisch, Finuvandil fasziniert. Neugierig lief er weiter hinaus und wurde direkt pitschnass. Verspielt begann er zu lachen und auch das Grollen der Wolken, machte ihm keine Angst mehr. Wenig später folgte ihm auch seine Schwester und sie begannen sich lachend im strömenden Regen zu drehen. Das Prasseln der Tropfen, das Grollen des Donners, das Sausen des Windes... All dies führte dazu, dass sie 'sie' nicht hörten.
Ein Schuss folgte und ihr verspielter Tanz fand ein abruptes Ende.
Ungläubig blickten sie sich an. Trin blutete am Arm. Erschrocken sahen sie auf und entdeckten vier bewaffnete Soldaten, die auf sie zielten. Sofort rannten sie, so schnell sie konnten.

Begleitet vom Gewitterklang huschten sie durch enge Spalten, krochen unter winzigen Felsvorsprüngen hindurch. Noch immer waren die Schritte ihrer Feinde dicht hinter ihnen. Panisch und voller Angst, wurden sie in die Enge getrieben, bis sie vor einer tiefen Schlucht zum stehen kamen. Sie saßen in der Falle. Doch Finuvandil sah minimale Wölbungen in der Felswand zu ihrer rechten. Wenn sie es schafften, dort entlang zu klettern, waren sie vielleicht sicher. Kein anderer würde so etwas schaffen, aber sie waren Bergbewohner. Wenn es einer konnte, dann sie. Sie mussten und zwar schnell.
Trin ließ Finuvandil vorgehen. Es war schwierig Halt zu finden, doch es gelang. Was sie hier machten, war lebensgefährlich. Jeder Schritt musste wohl überlegt und konzentriert sein, ansonsten würden sie in den sicheren Tod stürzen. Zeitgleich musste es aber schnell gehen, denn ihre Verfolger durften sie nicht sehen.
So schnell er konnte, tastete er nach dem nächsten Halt, um weiter voran zu kommen. Eines, hatten sie dabei aber nicht bedacht. Eines, konnten sie nicht wissen. Gestein wurde nur noch rutschiger, wenn es nass wurde. Der Regen, der ihnen immer noch ungnädig gegen die Körper peitschte, erschwerte das Klettern ungemein. Sie konnten die Stimmen der Männer hören und verfielen erneut in Angst.
Finuvandil kletterte weiter an der feuchten Felswand entlang. Getrieben vom Wunsch zu überleben und aus deren Sichtfeld zu verschwinden. Nur noch zwei Meter, dann machte der Berg eine leichte Kurve, hinter der sie sich verstecken konnten. Mit angespannten Muskeln setzte er seinen Weg fort und gelang ans gewünschte Ziel - Nur um festzustellen, dass es unmittelbar hinter der Kurve, nicht mehr weiter ging. So sehr er sich auch anstrengte zu 'sehen'. Da gab es nichts mehr. Weder unten, noch oben. Keine Chance irgendwo Halt zu finden. Außerdem erstreckte sich die Felswand noch über endlose Meter und ihr Ende war nicht mal für ihn in Sicht.

Trin war bei ihm angelangt, doch so wie sie ihn berührte, wusste sie, was in ihm vorging. Angespannt sah sie zurück zu ihrem Ausgangspunkt. Die Männer waren inzwischen an der Schlucht angelangt, wagten aber nicht, sich sonderlich weit nach vorne zu beugen. Auf 'Gutglück' begannen sie an der Felswand entlang zu schießen und Trin drückte sich so fest es ging, gegen die Wand. Finuvandil war außerhalb ihres Blickes, sicher hinter der Kurve. Noch immer versuchte er verkrampft irgendwie mehr Platz für sie zu schaffen, doch er fand keine Möglichkeit. Wieder fielen Schüsse, diesmal wurde Trinea fast getroffen. Erschrocken zuckte sie zusammen, veränderte ihre Haltung, tastete nach Halt und - rutschte ab. Ihre feuchten Finger tasteten verloren ins Leere, ihr Körper kam nicht mehr gegen die Schwerkraft an. Die gedankliche Verbindung zu Finuvandil endete. Schockiert, ungläubig und paralysiert sah er ihr nach, wie sie schreiend in die Tiefe fiel. Er selbst hielt sich krampfhaft an den winzigen Vorsprüngen fest, die er gefunden hatte.
Stumme Tränen rannen ihm über sein Gesicht, während er absolut still verharrte. Die Pose war anstrengend für seine Glieder. Seine Muskeln zuckten, doch er hielt Stand. Auf ihrer Jagd nach Indlalas waren sie ebenfalls gezwungen, sich über längere Zeiträume absolut still und regungslos zu verhalten. Er wusste, dass er nur überleben konnte, wenn sie dem Glauben verfielen, er sei nicht hier. Oder nicht mehr. Im besten Fall glaubten sie, er sei auch abgestürzt. Wobei... war das der beste Fall? Trinea war tot. Die letzte Freundin. Die letzte Gefährtin, war fort. Er war allein.
Er presste die Augen fest zusammen und lehnte die fahle Stirn gegen das kalte Gestein. Minuten vergingen und er konnte sie immer noch hören. Weitere Schüsse fielen, die kein Ziel fanden. Ihre Stimmen wurden lauter. Sie stritten. Mehr verstand er nicht. Doch dann, irgendwann, zogen sie sich endlich zurück.

Finuvandil verharrte noch Minutenlang. Aus Sicherheit. Aus Angst. Das Gewitter war vorübergezogen. Der Regen verstummt. Als sei er ein fester Bestandteil des Berges hing er daran, lange nicht fähig seine Muskeln dazu zu bringen, sich zu bewegen. Irgendwann, tat er es doch.
Langsam, bedacht und vorsichtig kletterte er zurück und ließ sich schließlich kräftelos auf den ebenen Boden fallen, so wie er ihn erreichte. Nun erst, erlaubte er sich zu weinen und seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Schwermütig, trauernd und voller Verzweiflung kroch er zurück zum Abgrund und blickte in ihn hinein, ohne wirklich zu sehen.

Erdrückt von der Trauer die sein Herz erschwerte, stand der junge Kräganer am Punkt des höchsten Berges und blickte mit leeren Augen in die Tiefe. Nur noch ein Schritt. Ein Schritt und er würde Fallen. Schwermütig sah er auf in den Himmel, in dem sich neue Regenwolken geformt hatten. Nun waren sie alle fort. Seine Heimat, sein Volk, sein Vater, Trinea. Er war allein.
Ein bitteres Lächeln zauberte sich auf seine Lippen, während er an die Worte seines Vaters dachte. Nein, er würde nicht länger davon laufen. Wenn es sein Schicksal war zu sterben, dann brachte es nichts zu rennen. Es war doch nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn fanden oder er hier an Einsamkeit zu Grunde ging. Warum Aufschieben, was ohne hin eintreffen würde?
Wieder sah er hinunter in die Tiefe und beugte sich ein Stück weiter nach vorne. Würde der Fall schlimm sein? Würde er Angst haben? Würde es weh tun? Oder war es eine Erlösung? Erfüllte er mit dem Sprung tatsächlich sein Schicksal, war es vielleicht ganz leicht. Aber er zögerte. So stark das Leid in ihm auch war - So sehr es ihn auch in die Knie zwang - Er fürchtete sich vor dem Tot. Und er wollte Leben. Doch wofür?
Wieder dachte er an seinen Vater und dann plötzlich, erhellte sich seine Umgebung. Durch die graue Regenfront fiel der Lichtstrahl eines leuchtenden Sternes. Das Gestein um ihn begann symbolisch zu funkeln und er überlegte weiter.
Nein. So war es nicht. Die Gedanken die sein Vater mit ihm geteilt hatte, entsprachen nicht seinem wahren Empfinden. Er wollte, dass sein Sohn lebte. Darum hatte er sich schützend vor ihn gestellt, als die Männer begonnen hatten zu schießen. Er hatte sich geopfert, damit er Leben konnte.
Sein Kiefer spannte sich an und er verharrte mehrere Atemzüge, ehe er seinen Blick vom Abgrund abwendete und stattdessen dem Licht zuwendete. Nein. Er würde nicht springen. Er würde leben. Für seinen Vater. Für seine Mutter. Für Trinea. Für sie alle.

Und an diesem Gedanken hielt er fest.
Tage.
Wochen.
Monate.
Jahre.

1,5 Jahre waren ins Land gezogen und Finuvandil hatte sich mit seinem Einsiedlerleben im Gebirge arrangiert.
In all der Zeit hatte er immer wieder die Basis der Männer beobachtet. Immer wartend auf eine Chance, eine Gelegenheit, diesen Planeten doch verlassen zu können. Oder auf eine Art von Hilfe. Es konnte doch immerhin nicht sein, dass es in der weiten Galaxie nur boshafte Wesen gab, oder? Oft hatte er aus der sicheren Ferne gesehen, wie sie neue 'Sklaven' in das große Gebäude verfrachteten, nur um sie Stunden später wo anderes hinzubringen. Manchmal kamen auch andere Raumschiffe die ihre 'Errungenschaften' selbst abholten. Selten kam es zu Fluchtversuchen, denn seit Trinea und er selbst damals entkommen waren, hatten die Kerle ihre Sicherheitsmaßnahmen verschärft.
Irgendwann kannte Finuvandil all ihre Gesichter und wusste auch, wer der 'Anführer' der Gruppe war. Umso überraschter war er eines Tages, als ein anderer Mann erschien, der nun offensichtlich das 'Sagen' hatte. Den vorherigen Gruppenleiter sah er nicht wieder, weshalb er davon ausging, dass er tot war.
Kurzzeitig hatte Finuvandil die Hoffnung, dass sich nun etwas ändern würde und sich durch den Führerwechsel für ihn neue Möglichkeiten ergaben.
Es änderten sich auch Dinge, aber sonderlich hilfreich für ihn, waren sie nicht. Der neue Anführer schien eher der Typ zu sein, der gerne anderen die Arbeit überließ, während er seinen Spaß hatte. Während seine Leute mit den Raumschiffen fortflogen um neue Gefangene herzuschaffen, vergnügte er sich im Bergsee mit Frauen und dabei schien es keine Rolle zu spielen welcher Rasse sie angehörten.
Regelmäßig führte er ein oder zwei Frauen zur 'Grotte', die sich am westlichen Ufer des Sees befand. Auch hieraus schöpfte der Kräganer seinen Vorteil und ließ immer mal wieder Kleidung verschwinden, die achtlos liegen gelassen wurde oder bediente sich am Proviant, der Zwischengelagert worden war. Mehr als einmal bedauerte er dabei allerdings, ein so scharfes Gehör zu haben. Die Laute die aus der Grotte kamen waren für ihn einfach nur widerlich.

Generell wurde alles unter der 'neuen' Leitung etwas lockerer. Es gab weniger Außenposten und nach einiger Zeit wagte sich Finuvandil immer weiter voran. Bis er es sogar eines Tages schaffte, in ein Rauchschiff zu steigen, doch fühlte er sich sogleich von der komplexen Technik abgeschreckt. Was hatte er sich nur dabei gedacht? Nun saß er hier mit den vielen, komischen, blinkenden Knöpfen und hatte keine Ahnung, was er machen sollte. Kurzzeitig überlegte er, ob er sich hier einfach irgendwo verstecken sollte um auf dem nächsten Planeten den sie ansteuerten Reißaus zu nehmen. Die Frage war nur: Würde das funktionieren? Es gab zu viele Haken an diesem Plan. Die Chance erwischt zu werden war zu groß und dann war es ohne hin fraglich, ob es dort wo er hinkam überhaupt 'besser' war.
Knifflig wurde es nochmal, als sich die dämliche Tür durch die er ins Innere des Schiffes gelangt war, nicht mehr öffnen ließ. Mehrere Panikattacken und Schweißausbrüche später schaffte er es dann doch irgendwie und es gelang ihm sogar unbemerkt wieder in sein Gebirge zu entschwinden. Spätestens nach dieser Aktion war ihm selbst klar, dass es so nicht funktionierte. Ohne einen vernünftigen Plan würde er von allein hier nicht weg kommen. Doch wie sollte er planen, wenn er nicht mal ihre Sprache verstand? Letztlich blieb ihm nichts weiter übrig, als darauf zu hoffen, dass es eines Tages doch Rettung für ihn geben würde. Allein würde er hier nicht mehr weg kommen - zumindest nicht in Freiheit. Und damit... sollte er recht behalten.

Weitere 1,5 Jahre vergingen.
Finuvandil war gerade dabei sein langes Haar mit einer Klinge zu kürzen, als sein Gehör ihn alarmierte. Reflexartig sah er nach oben und war innerhalb von Sekunden im Schutz eines Felsens verschwunden. Ein gewaltiges Raumschiff drang in die Atmosphäre des Planeten ein und flog direkt auf die Basis seiner Entführer zu. Noch nie hatte er so ein riesiges Schiff gesehen und sogleich machte er sich auf den Weg zu seinem 'persönlichen' Aussichtspunkt.
Noch ehe er an diesem angelangt war, hörte er bereits Schüsse und Explosionen. Zunächst verharrte er erschrocken, bis er sich vorsichtig weiter voran wagte. Im Schutz der Felsen beobachtete er die Szenerie aus sicherer Entfernung. Die Gruppe um seine Entführer wurde völlig von den Kriegern aus dem Raumschiff überrannt und abgeschlachtet. In diesem Augenblick verspürte Finuvandil eine gewisse Genugtuung und empfand keinerlei Bedauern. In ihm wuchs Hoffnung.
War dies der Moment, auf den er gewartet hatte? War dies die Rettung? Waren sie gekommen um diesem Sklavenhandel ein Ende zu machen?
Längst war dem Kräganer aufgefallen, dass in letzter Zeit immer weniger Entführungsopfer her gebracht wurden. Vielleicht hatten sich ja diese Leute gegen sie gestellt? Doch die Hoffnungen von Finuvandil, erfüllten sich nicht.
Die restlichen Sklaven die noch da waren, wurden in Handschellen abgeführt und in das große Raumschiff gebracht. Also keine Rettung... Eine Gruppe von Monstern wurde nur von der nächsten abgelöst.

Mutlos sank er nach unten und lehnte sich mit dem Rücken an die raue Felswand. Jahrelanges ausharren und für was? Doch er kam nicht weiter dazu sich darüber Gedanken zu machen. Weitere Explosionen folgten und er zog sich vorsichtshalber wieder tief in sein Gebirge zurück. Was sollte nun werden? Was sollte er tun?
Verzweiflung machte sich in ihm breit und er vergrub das Gesicht in seinen Händen, denn er wusste wirklich nicht, was er nun noch machen sollte. Doch dann drang ein eigenartiges Rauschen an seine Ohren, dass sich vom Himmel aus näherte. Blitzschnell suchte er Schutz in einer Felsspalte und glitt mit den Füßen voraus darunter. Ein beißender Schmerz ließ ihn erstickt keuchen. Er hatte sich an einem scharfen Stein sein komplettes Schienbein aufgerissen. Es brannte wie Feuer, doch er biss die Zähne zusammen und versuchte angestrengt etwas zu erkennen. Ein kleines Flugobjekt schwirrte in der Luft herum und gab hin und wieder grüne Lichtimpulse von sich. Interessiert betrachtete der Kräganer das Ding, bis es sich entfernte. Er wartete noch kurz ab, bis das Geräusch weit genug fort war und krabbelte dann langsam aus seinem Versteck. Sein Bein blutete stark, doch sein Fokus lag auf dem merkwürdigem Teil. Neugierig sah er ihm nach, als er plötzlich ein sehr Ungutes Gefühl bekam. Noch bevor er es schaffte sich umzudrehen, spürte er schon einen feinen Stich an seinem Nacken und griff reflexartig an die Stelle. Im nächsten Moment verdrehte er schon die Augen und stürzte bewusstlos zu Boden.

Seine Augen flatterten leicht, bis er es schaffte sie gänzlich zu öffnen. Er war in einem kleinen Raum und befand sich in sitzender Position. Sein Mund war geknebelt, seine Hände gefesselt. Sofort versuchte er sich loszureißen, doch die Ketten waren fest. Die letzten Ereignisse kamen ihm in den Sinn und ihn überkam Panik.
Just in dem Augenblick betrat ein groß gewachsener Mann den Raum. Seine Statur war kräftig, das Lächeln auf seinen Lippen bedrohlich und seine Augen glühten im feurigen Rot. Sein ganzer Körper drang ihn zum Handeln. Suchte nach einer Möglichkeit Abstand zwischen sich und dem Mann zu bekommen, doch ohne Erfolg. Er kam immer näher und ließ sich dann direkt neben ihm nieder.
Mit angsterfüllten Augen blickte er zu ihm, als der Mann plötzlich die Hand hob. Reflexartig wand Finuvandil sein Gesicht ab und verschloss die Augen vor dem was kam, doch der Mann legte seine Hand nur auf seinen Unterarm ab und begann dann, gedanklich mit ihm zu kommunizieren.

"So ist es besser nicht? So verstehst du mich. Kräganer." Finuvandil öffnete überrascht seine Augen und sah ihn an. Wie? Woher?
Doch der Mann lächelte nur und löste das Band, welches ihm seinen Mund verschnürte. "Das brauchen wir bei dir nicht. Ich weiß ja, wie du kommunizierst." Es gefiel ihm nicht. Es gefiel ihm überhaupt nicht, dass dieser Mann so viel wusste. Das Herz in seiner Brust raste immer schneller. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Haut. Er wollte weg. Nur weg.
"Ich erinnere mich gut. Vor ungefähr drei Jahren erwarteten wir ein Schiff mit 15 jungen Kräganern. Es kamen nur 13." Finuvandil erstarrte innerlich.
"Auf Nachfragen hieß es, zwei seien verstorben... Im Gebirge umgekommen, aber ihr kennt euch aus in den Bergen. Krägan war schließlich voll davon, nicht?" Seine Muskeln begannen vor Anspannung zu zittern. Wie gebannt starrte er auf die Hand des Mannes die seinen Unterarm umfasste.
"Du hast dich lang versteckt, doch nun kehrst du endlich nach Hause. Wie findest du das?" Das Gefühl welches die Gedanken des Mannes begleitete war grausam. Verzweifelt versuchte er den Körperkontakt zu beenden, doch sein Peiniger erhöhte daraufhin den Druck. "Weißt du, Anfangs konnte man mit diesen Weltraum-Nomaden noch gute Geschäfte machen. Doch in den letzten Monaten kamen kaum mehr Angebote oder Lieferungen stimmten nicht. Daher haben wir beschlossen sie zu eliminieren. Aber wir bekamen ein Wärmesignal vom Gebirge und ich hab mich sofort an dich erinnert." Er begann über Finuvandils Unterarm zu streicheln, woraufhin dieser nur mit Abscheu reagierte.
Der Mann lachte, sagte dass er diese Reaktionen bereits gewöhnt sei - auch von seinem Volk. Finuvandil wurde beinahe übel und in seinem Kopf begann es zu rauschen. Noch nie hatte er sich so ausgeliefert gefühlt. Die Verbindung sollte enden. Jetzt sofort.
"Oh nein, aber ich bin noch nicht fertig. Ich hab dir doch noch gar nichts von deiner neuen Heimat erzählt. Epoch wird dir gefallen." ... Epoch. Er erinnerte sich. Der Name war damals gefallen.
"Eure Art der Verständigung ist wirklich sehr... interessant. Wer braucht schon Sprachen, wenn es auch so geht? Am spannendsten fand ich aber immer das übertragen von Gefühlen... Sowas zu teilen verbindet enorm." Sein ganzer Körper wehrte sich gegen die Annäherungen dieses Mannes, doch er hatte keine Möglichkeit sich zu wappnen. Er war zu schwach, der Wille seines Gegenübers zu stark. Das Gift seiner Worte fraß sich tief in Finuvandils Bewusstsein und merzte Stück für Stück jegliche Aussicht auf Hoffnung aus.
"Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht wie viel von deinen Brüdern und Schwestern noch übrig sind... Ein paar waren sehr labil. Vielleicht bist du auch der Letzte." Seine Lippen bebten, in seinen Augen bildeten sich Tränen der Wut.
"Aber sie hatten eine schöne Zeit bei uns. Und wie schön sie war, das werde ich dir nun zeigen, damit du weißt, was auf dich zukommt." Und dann, begann es.
Mit einem Mal zeigte er ihm Bilder. Bilder seiner Brüder. Weinend an Pfählen gefesselt. Ein heißes Eisen. Sie wurden gebrandmarkt. Alle. Ihre Schreie drangen durch seine Gedanken in Finuvandils Verstand. Er sah alles klar und deutlich vor sich. Spürte ihre Verzweiflung, ihren Schmerz, ihre Angst. Ein großer Feuervogel zierte all ihre Körper. Leid, Pein. Schmerz. Finuvandil versuchte sich erneut dagegen zu wehren, aber er zeigte ihm weitere Bilder. Er hörte ihr flehendes Schreien, während ihnen die Kleider vom Leibe gerissen wurden, fühlte den schmerzlichen Verlust all jener Dinge, die einmal gut gewesen waren. So viele Hände auf ihren wehrlosen Körpern. So viel Grausamkeit. Und es hörte nicht auf... Immer mehr Szenen zeigte er ihm, die ihn beinahe traumatisierten. Blut, Gewalt, Misshandlung. Schließlich konnte Finuvandil all dem nicht mehr standhalten. Sein Kopf sank nach unten und stumme Tränen liefen über sein Gesicht. Es war zu viel. Viel zu viel.
Die Schreie seiner Freunde hallten in seinem Kopf nach. Ihre Gefühle schwappten durch seinen zitternden Körper und lähmten ihn. "Bitte... aufhören", flehte er kraftlos, während die Welt für ihn zerbrach.
Der Mann lachte nur, versprach ihm sich selbst darum zu kümmern, dass er einen schönen Empfang auf Epoch bekam und zog sich dann zurück. Finuvandil war in diesem Augenblick nicht mehr, als eine Hülle. Seine Seele war beschmutzt, sein Verstand vergiftet und in sich trug er nun die Bilder seiner leidenden Geschwister, die ihn auf ewig verfolgen würden.

Er hatte jegliches Gefühl für Zeit und Raum verloren, während er einfach nur dasaß und mit leeren Augen ins Nichts blickte. Er wusste nun, wohin er gebracht wurde und was ihn dort erwarten würde. Nichts als Qualen und Leid und letztlich vermutlich, der sichere Tod. Irgendwann gingen sie zur Landung über und kurz darauf kam auch jemand, um ihn mitzunehmen.
Er wurde an Fesseln geführt, so wie er es all die Jahre aus der Ferne beobachtet hatte. Sein Leben war hiermit verwirkt. Doch innerlich fühlte er sich bereits zerstört, weshalb er gar nicht erst versuchte sich gegen die Epochias zu wehren.
Sie verließen das Raumschiff und Finuvandil sah sich, trotz seiner Abgeklärtheit, um. Es sah aus wie ein Weltraumhafen. Mehrere Schiffe landeten in unmittelbarer Umgebung oder machten sich zum Start bereit. Sie liefen gerade mal ein paar Meter, doch schon jetzt spürte er so viel Grausamkeit in der Luft liegen, dass es ihm fast den Atem raubte. Jeder einzelne der hier Anwesenden trug so viel Boshaftigkeit in sich, dass Finuvandil kaum mehr die Kraft fand sich zu bewegen.
Doch dann, tauchte hinter einer Gruppe von Epochias, eine weitere Person auf, die seinen Blick kurz kreuzte. Es war nur ein kurzer Moment. Ein flüchtiger, vorbeiziehender Augenblick und dennoch war das Empfinden bei diesem jungen Mann ein gänzlich anderes. Finuvandil sah in diese kühlen, distanzierten, blauen Augen, die sowohl Stärke als auch Entschlossenheit widerspiegelten. Eine völlig andere Aura umgab diesen schwarzhaarigen Fremden, während er sich unauffällig und gleichzeitig zielstrebig seinen Weg über die Hangarbucht bahnte. Er gehörte nicht zu ihnen, dass war für Finuvandil unschwer zu erkennen. Ob er ein Jangchi (kräganisch für Krieger) war? Längst hatte er ihm den Rücken zugewendet und verschwand bald im Trubel, doch der Kräganer konnte seine Augen nicht von ihm lösen. Beinahe so, als sei er der einzige Lichtblick in dieser unendlichen Finsternis. Doch seine Gedanken fanden ein abruptes Ende, als sich der Mann von zuvor in sein Sichtfeld schob und ihm sofort wieder bewusst machte, dass es hier nun keinen Raum mehr für Hoffnung gab. "Pass mir gut auf meinen Kräganer auf", sagte er lächelnd und streichelte ihm dabei über die Wange.

Während er fortgeführt wurde, kehrte die beklemmende Leere in seinem Inneren zurück. Er versuchte nicht darüber nachzudenken, was ihn erwartete, doch die Gedanken waren zu präsent in seinem Kopf. Er wurde durch einen langen Korridor geführt und immer wieder kamen ihnen andere Epochias entgegen die ihn interessiert betrachteten. Der Mann, der ihn inzwischen führte schien nicht so gut über seine Rasse informiert zu sein, wie sein Vorgesetzter. Schließlich kommunizierte er immer wieder mit ihm, ohne das er ein Wort verstand. Einmal blieben sie länger stehen, weil sich der Mann mit einem anderen unterhielt. Finuvandil blickte einfach nur trüb ins Leere und wünschte sich, dass es schnell gehen würde. Egal was passierte - es sollte schnell gehen, doch das würde es nicht. Er dachte an das Brandmal, die Demütigung, die Folter... Nein, es würde nicht schnell gehen. Er würde unter diesem Volk leiden bis er um den Tod bettelte, den sie ihn natürlich nicht gewähren würden.
Sie setzten ihren Weg fort und betraten einen kleine Halle, in die strahlendes Sonnenlicht fiel. Wieder sprach der Mann mit ihm und wieder verstand er nichts. Seine Fesseln wurden gelockert und zeitgleich näherte sich eine andere Gestalt, doch dann veränderte sich mit einem mal die ganze Szenerie.
Schüsse fielen von einem oberen Stockwerk und automatisch glitten alle Blicke dort hin. Man konnte erschrockene Schreie hören und kraftvolle Rufe von Befehlshabern. Der Epochias, der Finuvandil gerade die Fesseln gelockert hatte, stand nur kurz neben sich, doch das reichte ihm völlig. Der Kräganer wusste, wenn er die Chance jetzt nicht ergriff, war er verloren. In dieser Sekunde sammelte er all seinen verbliebenen Mut und schlug seine Stirn kräftig an die seines Peinigers. Überrascht keuchte dieser auf und im nächsten Moment drückte er schon seine freien Hände auf dessen Gesicht um ihn mit seinen Gefühlen zu übermannen. Kaum lag er am Boden suchte Finuvandil ihn ab, fand aber auf die schnelle nur ein scharfes Kampfmesser. Mit diesem bewaffnet rannte er einfach auf die erstbeste Tür zu.
Mit viel zu viel Schwung stieß er sie auf und stolperte ungeschickt auf die Straße. Als er sich aufrichtete, wurde ihm Angst und Bange.

Kreidebleich war er, als er den Platz erkannte, den er in seinen Gedanken gesehen hatte. Der Platz mit den Pfählen. Der Platz, an dem sie alle gefesselt, gebrandmarkt und ihrer Unschuld beraubt worden waren. Genau dort hätte man ihn als nächstes hingebracht. Genau dort, hätte er die schlimmsten Qualen seines Lebens spüren und sterben sollen.
Erst als weitere Schüsse und Schreie an seine Ohren drangen, schaffte er es, sich wieder in Bewegung zu setzen. Er rannte, so schnell er konnte, ignorierte den brennenden Schmerz an seinem Schienbein. Den Epochias versuchte er aus dem Weg zu gehen und schlich so gut es ging durch deren Wohnviertel hindurch. Er kam an reißenden Wasserfällen vorbei und die Sonne strahlte scheinheilig auf ihn herab. Seine Muskeln streikten, seine Lungen protestierten, doch er lief immer und immer weiter den schützenden Bergen entgegen. Doch sie waren noch fern. Als er schließlich ein kleines Waldstück erreichte, zwang ihn sein Körper zur Kapitulation. Hinter einem großen Baum, brach er vor Erschöpfung zusammen und verlor das Bewusstsein.
Etliche Stunden später, erwachte der Kräganer wieder. Sogleich wurde ihm bewusst wo er sich befand und machte sich weiter auf den Weg. Ihm war heiß und er kam nur noch sehr langsam voran. Nach wenigen Minuten sackte er wieder zusammen und besah sich sein Bein. Es hatte sich entzündet. Wieder richtete er sich auf, versuchte den Schmerz zu ignorieren und rief sich ins Gedächtnis, dass er gerade einmal mehr dem sicheren Tod davon gelaufen war. Wie hatte es überhaupt dazu kommen können? Reflexartig dachte er zurück an diese eindringlichen, blauen Augen, ließ den Gedanken aber schnell wieder ruhen. Er musste achtsam sein und sich auf seine Umgebung konzentrieren.

Es dauerte mehrere Stunden, bis er endlich die schützenden Wälder im Gebirge erreicht hatte. Dort angekommen suchte er erstmal nach Möglichkeiten um sich sein Bein zu verbinden, ehe er sich einen sicheren Rückzugsort suchte und dort länger verweilte, um wieder zu Kräften zu kommen.
Mehrere Tage vergingen in denen er einfach nur ziellos durch die dichten Wälder streifte. Die Entzündung an seinem Schienbein war durch die Kräuterverbände zurück gegangen und so konnte er inzwischen wieder längere Strecken an einem Stück zurück legen.
Eines Abends, als er bereits dabei war sich einen Platz für die Nacht zu suchen, drangen weit entfernte Schritte an seine wachsamen Ohren. Leise und vorsichtig bahnte er sich seinen Weg durch den Wald, bis er einen Epochias sah, der suchend durch die Natur streifte. Finuvandil beobachtete ihn dabei, wie er bestimmte Gräser oder Pflanzen einsammelte. Je näher der Mann kam, desto deutlicher konnte der Kräganer seine Aura spüren. Sie war ebenso dunkel, grauenvoll und boshaft, wie die der anderen.
Sein Kiefer spannte sich an, seine Hand umschloss zitternd den Griff des Messers. Der Mann hob seinen Blick und seine stechenden Augen triggerten ihn nur noch mehr. Mit einem mal fühlte er einen so gewaltigen Zorn und Hass in sich, wie niemals zuvor. Er wollte nur noch eines: Rache. Rache für seine Geschwister die so unter diesem Volk hatten leiden müssen. Vor seinem geistigen Auge sah er wieder all diese schrecklichen Bilder.
Ohne wirklich Einfluss darauf zu haben, setzte sich sein Körper in Bewegung. Er sprang von seiner Anhöhe und landete direkt hinter dem Epochias. Just in dem Augenblick, als dieser sich erschrocken zu ihm umdrehte, ließ Finuvandil die scharfe Klinge über seine Kehle wandern. Röchelnd und mit weit aufgerissenen Augen ging er zu Boden.
Der sonst so friedvolle Kräganer trat über ihn und blickte herablassend auf ihn herab. In ihm gab es keinen Raum mehr für Vergebung. Da war nur noch Wut und Hass. Während der Epochias unter ihm unkontrolliert zuckte und um sein Leben bettelte, spürte er eine leichte Genugtuung in sich aufsteigen, doch es reichte nicht. Es war noch längst nicht genug. Wieder griff er nach dem Messer und stach mehrfach auf den wehrlosen Körper des Mannes ein. Getrieben von Zorn brachte er sich selbst in Rage. Vergeltung. Dieser eine Epochias galt nun als Sinnbild für seine Verachtung und seinen Schmerz.

Finuvandil saß am Ufer eines Flusses und wusch sich die blutverschmierten, zitternden Hände ab. In seinem Inneren war er komplett zerrissen. Da war diese Stimme die ihm sagte, dass es richtig gewesen war. Das dieser Mann es nicht anders verdient hatte. Und doch plagten ihn Gewissensbisse. Er hatte diesen Mann grundlos umgebracht. Ihn förmlich abgeschlachtet. Das war er nicht. So war er nicht. Und doch hatte es sich gut angefühlt. In dem Moment zumindest. Je länger er am Fluss saß und auch die restlichen Körperstellen vom Blut des Epochias rein wusch, desto mehr wurde ihm bewusst, dass es nicht reichte um seinen Schmerz zu lindern. Dieses eine Leben war Nichts im Vergleich zu seinem Leid, oder dem seines Volkes. Teilweise war er erschrocken über sich selbst und seine Brutalität. Er hatte damit eine persönliche Grenze überschritten, doch er wusste auch, dass sich das nun nicht mehr ändern ließ.
Weitere Tage vergingen, bis Finuvandil von einem höheren Punkt aus, auf eine kleine Wohnsiedlung aufmerksam wurde, die sich nahe an einem großem Gewässer befand. Es dauerte mehrere Stunden, bis er sie erreicht hatte. Nach längerer, vorsichtiger Überprüfung, stellte er fest, dass sie verlassen und unbewohnt war. Ein Großteil der Gebäude waren inzwischen eins mit der Natur geworden. Überall ragten Pflanzen hervor und die Steine waren mit Moos bedeckt. Wer auch immer hier einmal gelebt hatte - sie mussten Jahrzehnte fort sein.
Von Neugierde getrieben inspizierte er jedes Haus, jedes Gebäude. Besah sich die vielen Dinge, die einfach so zurückgelassen wurden. Hier hatten eindeutig Familien mit Kindern gelebt. Vereinzelt fand Finuvandil Spuren von Kämpfen, weshalb er stark vermutete, dass die ehemaligen Bewohner dieser Siedlung ein schlimmes Schicksal ereilt hatte.

Finuvandil lebte nun schon über 2 Monate auf dem Planeten Epoch. In einem der größeren Gebäude hatte er eine geheime Tür gefunden, die in einen großen Raum unter der Erde führte. Hier war sein erstes Versteck. Von diesem aus hatte er weitere unterirdische Gänge entdeckt, die wohl den ehemaligen Bewohnern als Fluchtwege gedient hatten. Sie waren sehr komplex, weit gestreut und jemand der sich nicht auskannte, würde sich darin verlaufen. Glücklicherweise besaß Finuvandil aber einen hervorragenden Orientierungssinn, weshalb es ihm sehr schnell gelungen war, sich darin zurecht zu finden. Es gab verschiedene Ausgänge. Einer führte in eine Höhle, der andere zu einem Platz im Wald, an dem viele Bäume dicht beieinander standen und der dritte befand sich nah am Fluss. Die Bewohner hatten ihre Ausgänge gut getarnt und so in die Natur integriert, dass sie für Unwissende kaum bis gar nicht zu sehen waren - außer man hatte so gute Augen wie der Kräganer.
Sein zweites Versteck erreichte er über eben jene Korridore unter der Erde. Es gab dort einen weiteren großen, angelegten Raum der wohl ursprünglich dazu gedient hatte, Fleisch und Flüssigkeiten zu lagern. Da die ehemaligen Bewohner sicher nichts dagegen hatten, hatte er diesen Raum umfunktioniert
Es hatte mehrere Tage gedauert, bis er darin alles verstaut hatte, was er brauchte. Decken, Medizin, Fackeln, Wasserkrüge und dergleichen hatte er sich aus den alten Häusern zusammengesammelt. In den Flüssen gab es Fische, im großen Gewässer bei der Siedlung lebten kleine Schalentiere, deren Fleisch ihm unbeschreiblich gut schmeckte. Er hatte nicht vergessen, was der Epochias zu ihm gesagt hatte. Wärmesignale hatten ihnen seinen Standpunkt im Gebirge verraten. Er fühlte sich einfach sicherer, wenn er weitestgehend unter der Erde verweilte - vor allem, wenn er ruhte oder schlief. Ob das wirklich half ihre Drohnen zu überlisten, wusste er nicht sicher, aber eigentlich glaubte er ohne hin nicht, dass sie nach ihm suchten. Hin und wieder flogen aber kleine bis mittelgroße Fluggefährte über die Berge hinweg und so wollte er allzeit wachsam sein.

Je mehr Zeit verging, desto mehr arrangierte er sich mit der Situation. Doch der Moment, in dem ihm die Flucht gelungen war, ließ ihn nicht los. Ebenso wenig wie die Gedanken an den jungen Mann mit den blauen Augen. Nach fast vier Monaten war er sich sehr sicher, dass niemand mehr nach ihm suchte, sodass er sich immer weiter aus seiner Wildnis hinaus wagte und sich auch den Städten der Epochias etwas näherte. Die lange Zeit der Einsamkeit, sowie die Bilder die ihn nicht mehr loslassen wollten, hatten den sonst so gutmütigen Kräganer verändert. Seine Mimik war starr und unbeweglich. Er war stets wachsam und rechnete immer mit dem Schlimmsten. Der Glaube an das Gute in dieser Welt, war weit in den Hintergrund gerückt und er schwor sich selbst, niemanden mehr zu vertrauen. Niemanden.
Aus der Ferne beobachtete er die Epochias und dabei fiel ihm eines auf - sie waren aufgewühlt und oftmals wirkten sie beinahe verängstigt. Den Grund dafür kannte er nicht, doch er war gewillt, es heraus zu finden.
Immer mehr Flugobjekte schwirrten täglich über Wälder und Berge hinweg. So als würden sie nach etwas suchen oder jemanden. Finuvandil beobachtete das Treiben und eines Tages, landete eine kleine Flugmaschine in seinen vertrauten Wäldern. Vier Männer stiegen aus ihr heraus und kurz darauf hob sich das Teil wieder in die Lüfte und verschwand. Der Kräganer hatte sich inzwischen aus alten Stoffen Kleidung angefertigt, die es ihm erlaubte in den Farben der Natur unterzugehen. Genauso wie auf Krägan, trug er um den Kopf ein Tuch, welches so gebunden war, dass es auch Mund und Nase bedeckte, sodass nur die Partie der Augen frei war. Aus Holz, Pflanzenfasern und Stein hatte er sich Peil und Bogen hergestellt und so verharrte er nun im Schutz eines Baumes, während er die Epochias beobachtete.
Sie waren bewaffnet und bahnten sich ihren Weg achtsam und langsam durch die Wildnis, ehe sie sich trennten. Finuvandil beschloss den Jüngsten von ihnen zu verfolgen und wartete geduldig, bis er sich weit genug von den anderen entfernt hatte. Er lockte ihn mit Geräuschen in die Nähe eines Busches und von dort aus, schlug er zu. Blitzschnell riss er ihn von den Beinen und hielt ihm das Messer an die Kehle. Aus tödlichen Augen sah er dem Krieger entgegen und legte die freie Hand auf dessen Stirn. "Erzähl mir alles", forderte er gedanklich. "Was geschieht hier? Was sucht ihr?" So wie die gedankliche Frage gestellt war, durchfluteten Bilder und Informationen den Kopf des Mannes. "Wir wissen es nicht. Er ist wie ein Geist", drangen wimmernde Worte in sein Bewusstsein. "Er taucht einfach plötzlich auf und er tötet uns alle." Finuvandil verengte seine Augen und forderte weitere Informationen. Seit mehreren Monaten wurden sie von ein und der selben Person tyrannisiert, die es sich scheinbar zum Ziel gemacht hatte, sie alle auszulöschen. "... Und wie sieht diese Person aus?" wollte er wissen, doch darauf bekam er keine eindeutige Antwort. Während der Kräganer seine eigenen Schlüsse zog, gestand der Epochias, dass sie hier waren um ihn zu suchen, da sie glaubten, er verstecke sich irgendwo in den Bergen. Mehrere Suchtrupps durchstreiften seit Wochen die Wälder, aber bisher hatten sie ihn nicht gefunden. Finuvandil lächelte leicht. Er war gut. "Bitte, wer bist du? Lass mich gehen", drangen die gedanklichen Wortfetzen des Kriegers in seinen Verstand und er sah ihn aus emotionslosen Augen an. "Wer auch immer der Mann ist... Was er da tut... Ist eine Wohltat für die Welt." Das war alles, was er ihm zu sagen hatte, ehe er ihm das Messer tief in die Brust rammte und so für immer zum Schweigen brachte.

Auch die übrigen drei Männer fanden ihren Tod durch Finuvandils Pfeile, die sich zielsicher durch deren Schädel bohrten. Dort draußen gab es also eine Person... Einen mutigen Krieger der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Epochias zu töten. Natürlich konnte sich der Kräganer nicht sicher sein, dass es der Mann von der Hangarbucht war, aber dennoch sah er ihn vor seinem geistigen Auge. Wer auch immer er war - Finuvandil hoffte, dass er erfolgreich war. Dass er es schaffen würde die Welt von diesem grauenvollem Abschaum zu befreien, sodass niemand mehr unter ihnen leiden musste. Nie wieder. Er empfand tiefen Respekt und Bewunderung für diesen Krieger und wünschte ihm all seinen Segen. Im Inneren des Kräganers, begann sich langsam wieder etwas zu regen. Die Flamme seiner Hoffnung hatte sich neu entzündet und begann zart zu lodern. Beinahe wünschte er sich, diesem Kämpfer zu begegnen, um ihn irgendwie unterstützen zu können. Doch allem Anschein nach, kam dieser bestens allein zurecht und besaß Fähigkeiten, die weit über Finuvandils Vorstellungskraft und Möglichkeiten lagen.

Eines Morgens erwachte der Kräganer von einer traumlosen Nacht, doch in dem Moment als er seine Augen öffnete, konnte er etwas spüren. Etwas war anders. In seinem Leben hatte es nun schon öfter Tage gegeben, die mit einem Hauch von Schicksal behaftet waren. Heute, fühlte es sich genauso an. Er wühlte sich aus seinem Schlafplatz, zog sich an, griff nach seinen Waffen und ging nach draußen. Der Himmel war in kühle Farben getaucht. Unheilvolle Wolken zogen rasch über ihm vorbei Richtung Norden. Wind kam auf und zerwühlte sein dunkles Haar, drängte ihn förmlich dazu mit den Wolken zu reisen. Dieser Eingebung folgend lief er durch die Wälder, die er inzwischen als 'zu Hause' ansah. Seine Berge, seine Wildnis, seine Häuser, seine unterirdischen Gänge. Und wenn nun wirklich jemand diesen Planeten von der Gier der Epochia befreite, dann ließe es sich hier sicher angenehm und friedlich leben. Er war noch immer allein, ja. Aber daran hatte er sich längst gewöhnt.
Während er sich mit dem Rauschen des Windes bewegte, konnte er wieder den Klang ihrer Flugschiffe vernehmen. Vorsorglich versteckte er sich hinter einem Felsen, wartete bis es weiter geflogen war und setzte seinen Weg fort. Schon von weitem konnte er Stimmen hören. Noch immer verstand er ihre Sprache nicht, doch sie klangen aufgewühlt, aggressiv, panisch.
Finuvandil erhöhte seine Geschwindigkeit, filterte die Umgebung nach bestmöglichen Beobachtungs- und auch Fluchtmöglichkeiten. Sie waren schon ganz nah und dann - Ein Geräusch, dass er nicht zuordnen konnte, gefolgt von einem Schuss, dann Schreie. Er hielt mitten in seinem Lauf inne und spürte wie das Adrenalin durch seine Venen floss. Er war hier. Der Jangchi, war hier. Mit einem Mal löste sich seine Starre und er rannte noch schneller als zuvor, bis er im Schutz eines Dickichts verharrte. Er war so nah dran. So nah dran ihn zu sehen. Wenige Sekunden wartete er ab, bis er rasch auf die Äste eines Baumes kletterte. Von dort aus sprang er zum nächsten, während er dem Kampf immer näher kam. Dann endlich konnte er die Epochias sehen. Sie riefen wild durcheinander, während sie ihre Schusswaffen gezückt hatten und sich damit hilflos um sich selbst drehten. Suchend sah Finuvandil sich um, als er plötzlich wieder dieses Geräusch vernahm. Ein Licht flackerte mitten in der Szenerie auf. Ein Schuss. Ein Epochia fiel zu Boden. Völlig gebannt starrte der Kräganer auf das Waldstück und wagte sich weiter nach vorne, um noch besser sehen zu können. Dann tauchte wieder kurz dieses Licht auf, er fokussierte all seine Sinne auf dieses und dann, sah er kurz eine Person. Den Krieger. Er zielte, er schoss, er traf und verschwand. Gebannt und mit offenem Mund verfolgte er das Schauspiel. Sah zu, wie ihr gemeinsamer Feind einen Mann nach dem anderen verlor. Es war genauso, wie der Epochia es ihm gedanklich mitgeteilt hatte. Dieser Krieger war dazu fähig kurz aufzutauchen, einen Angriff auszuführen und direkt wieder zu verschwinden. Finuvandil war fasziniert. Niemals war ihm solch eine Macht begegnet. Er konnte nicht begreifen, wie so etwas möglich war. Von Neugierde getrieben, kletterte er zügig den Baumstamm hinunter und ging noch näher heran. Er wollte noch mehr sehen. Wie machte er das?
Bereits zuvor hatte der Kräganer tiefe Bewunderung für diesen Jangchi verspürt, doch ihm nun beim Kämpfen zuzusehen, erfüllte ihn mit Ehrfurcht, Faszination und Stolz. Er war beeindruckt von seinen Fähigkeiten, seiner Schnelligkeit, der Art wie er sich bewegte und seiner Zielgenauigkeit. Jeder Schuss traf. Jeder. Es war nur noch einer übrig und dieser versuchte nun zu entkommen - ohne Erfolg. Wieder flackerte das Licht auf und kurz darauf fand auch dieser Epochia seinen Tod.

Einen Augenblick lang, war alles still. Finuvandil vergewisserte sich mehrere Male, ob die Luft auch wirklich rein war, bis er langsam aus seinem Versteck kam, die Leichen seiner Peiniger betrachtete und sich dann wieder suchend umsah. "Siz o'sha yerdamisiz?" (Bist du noch da?) fragte er in die unheilvolle Stille der Wälder, als das Dröhnen der Flugobjekte jeglichen Klang übertönte und ihm kurzzeitig in den Ohren schmerzte. Eilig sprintete er zurück in den Schutz der Wälder, während sich die übrig gebliebenen Schiffe zurück zogen.
Vom nächsten Felsen aus, konnte er sehen, dass sie sich alle Richtung Westen zurückzogen und er wusste genau was dort war. Das Zentrum. Die Stadt, in der auch er vor fünf Monaten angekommen war. Der Platz, an dem er hätte sterben sollen. Wieder zog eine scharfer Brise auf. Sein Körper straffte sich. In seinen Augen loderte das Feuer der Entschlossenheit, während er Stimmen im Wind hörte, die ihm zuflüsterten. Ich höre euren Ruf und ich werde ihm folgen.
Und damit setzte er sich in Bewegung. So schnell ihn seine Beine tragen konnten, bahnte er sich seinen Weg durch Wald, Gras, Erde und Stein. Er rannte, sprang, kletterte. Und bei jedem Schritt war es, als mischten sich die Stimmen seines Volkes unter das Rauschen des Windes. Als würden sie ihn begleiten. Möglicherweise war es ein Zeichen, dass dies seine letzte Reise war, doch es ängstigte ihn nicht. Wenn dies seine Bestimmung war, dann würde er sie annehmen. Was hatte er groß zu verlieren? Und wenn es der Wille des Universums war, dass er dem Jangchi beistand, dann würde er auch das tun.
Er hatte gerade das Ende des dichten Waldes erreicht, als es einen lauten Knall gab, der ihn reflexartig gen Himmel blicken ließ. Eines der Flugschiffe brannte und stürzte ab. Kurz darauf, sah er weit entfernt einen Lichtstrahl. Das nächste bemannte Flugobjekt explodierte. Finuvandil richtete seinen wachsamen Blick auf die Stadt, die nun ganz nah war. Nur eine Sekunde lang spürte er Nervosität in sich aufflackern, doch er rief sich all das Leid und all den Schmerz in Erinnerung und ließ sich vom Gefühl der Rache leiten.

Er erreichte die Grenze der Stadt und verweilte einen Augenblick im Schutz einer Steinmauer, um wieder zu Atem zu kommen. Schreie, Fußschritte und Schüsse waren zu hören und gaben ihm ein ziemlich klares Bild darüber, was sich hinter seinem Versteck abspielte. Er lauschte sorgfältig, zückte zur Vorsicht Pfeil und Bogen, um sich im Ernstfall ebenfalls verteidigen zu können. Einen tiefen Atemzug später, trat er hervor und schlich auf leisen Sohlen durch die Gassen. Je näher er dem Zentrum kam, desto mehr Blut sah er. Die Wege waren gepflastert mit ihren Kadavern. Ausdruckslose Augen starrten ins Leere und Finuvandil bemerkte schnell, dass dies keinesfalls das Werk eines einzigen Tages war. Nein, der Jangchi war immer wieder hier her zurückgekehrt. An den Ort, wo alles begann. Manche Leichen sahen aus, als wären sie erst kürzlich gestorben, andere wiesen schon deutliche Anzeichen von Verwesung auf. Der Kräganer fragte sich, ob wirklich alles mit dem Tag begonnen hatte, als auch er hier gelandet war. Führte dieser Krieger ganz alleine schon seit Monaten Krieg gegen das gesamte Volk der Epochias? Es deutete alles darauf hin, wodurch die Bewunderung für diesen Mann ein weiteres mal erheblich anstieg.
Das Rauschen der Wasserfälle übertönte kurzzeitig die Geräusche des Kampfes, denen er treu gefolgt war, als er sich allmählich bewusst wurde, wohin ihn sein Weg nun tatsächlich führte. Es ging für ihn wortwörtlich, zum Anfang zurück.
Dort, wo alles angefangen hatte. Dort, wo sein übrig gebliebenes Volk ihren Tod gefunden hatte. Dort, wo auch er hätte sterben sollen. Dort, wo so viel Grausamkeit herrschte, dass es ihm beinahe die Luft zuschnürte. Der Platz mit den Pfählen.
Er brauchte einen Augenblick. Seine Atmung wurde schwerer, während er sich hinter einer Hausmauer verbarg. Hinter ihm konnte er nun wieder klar und deutlich ihre Stimmen vernehmen, sowie den unerbittlichen Kampf, den sie gegeneinander führten. Finuvandil bündelte seine letzten Kraftreserven und wandelte sie in Mut. Einmal noch mutig sein. Einmal noch. Wieder spürte er den Wind. Sanft strich er mit den Fingern über seinen Pfeil. Er kannte seinen Weg und er war bereit, ihn zu gehen.
Fest entschlossen kletterte er auf das Gebäude, lief in geduckter Haltung zum Rand des Daches und dann, zum ersten mal, konnte er ihn klar und deutlich sehen. Längst hatte ihm seine innere Stimme zugeflüstert, dass es der Mann war, den er damals in der Hangarbucht gesehen hatte. Nun, sahen es auch seine Augen und somit, wusste es auch sein Verstand. Wieder konnte er nicht anders als einfach hinzusehen.
Um und auf dem Platz lagen mehrere leblose Körper. Er hatte sie alle besiegt und nun, waren nur noch zwei übrig. Finuvandil war so beeindruckt von diesem jungen Krieger, dass er gar nicht mehr wirklich in Betracht zog, dass er scheitern könnte. Noch ein Gegner fiel zu Boden. Nur noch einer.
Es ging alles verdammt schnell. Bewegungen und Schüsse folgten in so einem kurzen Abstand, dass sogar der Kräganer mit seinem geschärften Sehsinn Schwierigkeiten hatte zu folgen. Einer inneren Eingebung folgend, ging er wieder nach unten und so wie seine Füße den Boden berührten und er seine Augen auf den Platz richtete, fielen Schüsse von beiden Seiten. Der Epochia ging zu Boden, doch der Jangchi, ebenso. Mit dem Aufschlag seines Körpers, erzitterte der von Finuvandil. Stille. Außer dem Rauschen des Wasserfalles, herrschte Stille. Es war vorüber. Wie von selbst bewegten sich seine Beine. Trugen ihn direkt zu jenem Krieger, der es vermochte allein gegen ein ganzes Kriegervolk zu bestehen. Kaum bei ihm angelangt, neigte er sich zu ihm, überprüfte seine Atmung und stellte erleichtert fest, dass er noch lebte. Gerade als er sich ansehen wollte, wie schlimm er verwundet war, sagte der Jangchi ein Wort. Cho. Doch auch dessen Bedeutung kannte Finuvandil nicht. Fragend sah er den Schwarzhaarigen an, doch in der Sekunde, verdrehte er die Augen und sein Verstand driftete ins Leere. Sofort legte der Kräganer seine Hand auf dessen Stirn. O'lmang (Nicht sterben). Men sizga yordam beraman (Ich helfe dir).

Es war nur ein flüchtiger Moment, als sie sich damals auf der Hangarbucht in die Augen gesehen hatten und dennoch hatte Finuvandil sich immer daran erinnert. Nie hatte er diese blauen Augen vergessen. Als hätte etwas in ihm schon gewusst, dass dieser Sternenkrieger noch eine wichtige Rolle in seinem Leben spielen würde. Und nun, nun wusste Finuvandil auch, was seine eigene Bestimmung war. Es war nicht sein Schicksal zu sterben. Sein Weg hatte ihn hier her geführt, um ihm zu helfen und genau das würde er tun. All die Stärke, die Tapferkeit und den Mut die dieser junge Mann allein aufgebracht hatte und nun sollte der Tod seine Belohnung sein? Nein. Nein, dass würde er nie und nimmer zulassen.
Er erkannte sehr schnell dass es die stark blutende Schusswunde am Oberbauch war, die ihm langsam das Leben aus dem Körper zog. Notdürftig verband er diese mit dem, was er auf die Schnelle finden konnte, um die Blutung zu stoppen. Daraufhin wickelte er seine eigene Kopfbedeckung auf und riss den breiten Stoff einmal in der Mitte entzwei. Auf Krägan hatte es öfter den Fall gegeben, dass sich jemand so schwer verletzte, dass er nicht mehr laufen konnte oder ebenfalls ohnmächtig war. Die Kräganer hatten eine Wickeltechnik entwickelt, die beim Tragen von Verletzten hilfreich war. Mit geübten Handgriffen zog er den Stoff unter dem bewusstlosen Körper des Kriegers durch. Sanft hob er ihn an, platzierte sich vor ihm und sowie des Gewicht auf seinem Rücken lastete, zog er den Stoff und schnürte ihn an seinem Bauch zusammen. Das zweite Stück Stoff schwang er über ihre beiden Köpfe, führte es unter seinen Armen hindurch und zog ruckartig daran, sodass der Körper des anderem fest an ihn gedrückt wurde. Auch die Enden schnürte er fest zusammen und verband sie mit den anderen. Noch einmal fasste er mit der Hand an das Gesicht des Jangchi. Iltimos, ushlab turing. Men shoshilaman. (Halt bitte durch. Ich beeile mich.)

So schnell ihn seine Beine mit dem Gewicht auf seinem Rücken tragen konnten, rannte er durch die blutbefleckten Gassen und Straßen. Alles, was in diesem Moment zählte, war den Krieger so rasch wie möglich in Sicherheit zu bringen, um ihn behandeln zu können. Er hoffte inständig, dass seine Erfahrung in den Heilkünsten ausreichend war, um ihm zu helfen. Er durfte nicht sterben. Das durfte er einfach nicht. Finuvandil lief nun denselben Weg entlang, wie vor fünf Monaten, als er geflohen war. Als er mit aller Kraft versucht hatte den Schutz der bergigen Wälder zu erreichen. Er sah sich selbst: Gebrochen, verzweifelt, voller Angst und Schmerz. Jetzt, in diesem Augenblick war er ein anderer. Seine Stärke und sein Wille waren zurückgekehrt. Und er hatte keine Angst mehr.
Sie erreichten die Wälder und er hielt kurz inne, um etwas zu verschnaufen und den Jangchi abermals zu berühren. endi uzoq emas (nicht mehr weit) men bilan qolin (bleib bei mir). Daraufhin ging es sofort weiter. Die Verletzung war lebensgefährlich, jede Sekunde zählte. Umso mehr trieb er sich selbst an, sprintete die hügelige Landschaft entlang, bahnte sich seinen Weg durch Tal und über Gewässer. Je weiter er nach oben gelangte, desto rauer und felsiger wurde die Umgebung. Schließlich musste er eine Entscheidung treffen.
Um zu seinem Versteck zu gelangen, musste er auf die andere Seite eines Berges. Es gab zwei Möglichkeiten: Drum herum - der Weg war ebener und weniger kräftezehrend, doch es würde länger dauern.
Oder direkt auf den Bergt hinauf. Mit ihm zusammen kletternd.
Der Kräganer überlegte einige Sekunden, spannte dann seinen Kiefer an und straffte noch einmal das Band, welches den Körper des Kriegers an seinen presste. biz ko’tarilamiz, menga ishoning, hammasi yaxshi bo’ladi (wir werden klettern, vertrau mir, alles wird gut). Und so wie die Übertragung endete, begann er die steile Felswand zu erklimmen. Das Gewicht des anderen zog, doch er sammelte all seine Stärke und verteilte sie auf seine Glieder. Meter für Meter legte er zurück, während seine scharfen Augen ihm klar vermittelten, wohin er greifen durfte. Das Wetter meinte es gut mit ihnen. Der Himmel war klar. Der Wind verschwunden. Trotz der Anstrengung kam Finuvandil zügig und sicher voran, bis er endlich die Spitze erreichte und ein paar Sekunden länger inne hielt, um seine Atmung zu kontrollieren und seine Sinne wieder neu auszurichten. Wieder legte er die Hand an sein Gesicht und versicherte ihm, dass alles gut werden würde und sie bald angekommen waren. Noch war der Jangchi am Leben und er würde alles tun, damit es so blieb

Die nächsten Minuten ging es weitestgehend bergab, was nicht bedeutete, dass er weniger vorsichtiger sein musste. Gerade dann war der Lauf automatisch schneller und es hätte verheerende Folgen, wenn er stürzen würde. Das durfte nicht passieren. Nicht, wenn er die Hoffnung dieses Planeten auf seinem Rücken trug. Doch glücklicherweise war der Kräganer in all dem geübt und verfügte über ein hervorragendes Körperempfinden. Längst hatte er sich an das Gewicht des anderen gewöhnt und bahnte sich seinen Weg durch die Natur, die eigentümlich friedlich vor ihm lag. Die Wälder wurden wieder dichter, er konnte den Fluss hören, der sich in nördlicher Richtung befand. Mit seinen Augen konnte er bereits weit unten in der Bucht die verlassenen Häuser sehen, die in den letzten Wochen zu seinem zu Hause geworden waren. Doch diese steuerte er nicht an. Er machte sich auf, zum Eingang der unterirdischen Pfade. Immerhin wusste er nicht, ob ihnen womöglich doch noch jemand auf den Fersen war. Er wollte kein Risiko eingehen und nun schützte er nicht nur sein eigenes, sondern auch sein Leben.
Schließlich erreichte er die Stelle, an der mehrere Bäume dicht nebeneinander standen. In ihrer Mitte befand sich ein kleiner Zwischenraum, der von Moos und Flechten besetzt war. Vorsichtig ging er in die Hocke und tastete mit den Fingern nach einem Stück Holz, welches er bestimmend anhob. Die getarnte Platte öffnete sich und gab den Weg unter die Erde frei. Das Loch war schmal, doch es würde gehen. Er platzierte sich darüber und stieg langsam hinab. Als ihre Köpfe unter der Erde verschwunden waren, schloss er von unten die Platte und setzte seinen Weg fort.
Wenige Gänge und Korridore später, betrat er den großen Raum, in dem er selbst zuletzt immer wieder verweilt hatte. Hier hatte er alles, was er brauchte und genau darum ging es jetzt – keine Zeit mehr verlieren. Er lief direkt auf seinen Schlafplatz zu, der sich im hintersten Bereich befand. Er rückte die große Matratze weiter ins Innere des Raumes, damit er genug Platz hatte, um ihn von allen Seiten zu behandeln. Abermals ging er in die Hocke, öffnete die Knoten der Bänder, ließ langsam locker und stützte den Körper des Jangchi mit seiner Hand. Vorsichtig bettete er ihn auf der Matratze, stand auf, schüttelte und reckte all seine Glieder und sah ihn dann aus festen Augen an. Er würde ihn nicht sterben lassen. Immer und immer wieder sagte er sich diese Worte, während er Vorbereitungen traf. Rasch zündete er die Fackeln, die den dunklen, erdigen Raum erhellten. Finuvandil griff nach seinem Wasserkrug und schüttete den Inhalt in eine Schüssel, die er neben die Matratze stellte. Nachdem alles vorbereitet war, atmete er einmal tief durch und begann dann, die Kleidung des Kriegers zu öffnen, sodass er an seinen Oberbauch herankam. Die klaffende Wunde blutete noch immer stark, doch er wusste sich zu helfen. In den nächsten Minuten, Stunden, tat er nichts als dafür zu sorgen, dass der Mann überlebte. Er war so konzentriert, dass die Zeit um ihn herum stillzustehen schien. Er säuberte die Wunde, behandelte sie nach bestem Wissen und nähte sie zu. Der Kräganer wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete den mutigen Krieger, der blass und kaltschweißig war, aber noch am Leben.

Kurz wusch er sich die schmutzigen Hände und kurzzeitig kam ihm tatsächlich der Gedanke, welch schöne Farbe sein Blut hatte. Es war ein kräftiges Rot. Gänzlich anders als bei ihm selbst. Sein Blut war Purpur und das der Epochias? Darauf hatte er nicht wirklich geachtet, wenn er ehrlich war. Doch schnell wischte er die Gedanken von sich und sah mit konzentrierter Miene zu seinem Schützling. Behutsam legte er die Handfläche auf dessen kühle Stirn. "Das schlimmste hast du überstanden, aber ich muss sehen, ob du noch weitere Verletzungen hast", versuchte er ihm zu vermitteln, ehe er wieder seitlich neben die Matratze rutschte und damit begann, das Oberteil weiter nach oben zu schieben. Doch dann, hielt er ganz plötzlich inne. Seine Augen starrten auf das große Brandmal, dass die linke Körperseite des Kriegers bedeckte. Ein roter Vogel. Er kannte dieses Zeichen. Seine Sicht begann zu verschwimmen. Er hatte es schon mal gesehen. Auf den Körpern seiner Freunde. Vor seinem geistigen Auge tauchten die Bilder wieder auf. Gebrandmarkt, gedemütigt, gepeinigt, ihrer Unschuld beraubt, geschlagen, zerstört. Ihre Schreie hallten in ihm wieder. Sein Brustkorb hob und senkte sich schwer, während er versuchte die Erinnerungen aus seinem Kopf zu verbannen. Finuvandil stütze sich mit einer Hand am Boden ab, während er versuchte wieder in die Realität zurückzukehren. Mit jedem Atemzug wurde er ruhiger und noch einmal betrachtete er den Feuervogel, dessen monströse Gestalt sich vom unteren Rippenbereich, bis über die Hüfte erstreckte und dort vermutlich noch weiter ging. Langsam sah er zum Gesicht des Jangchi und allmählich, begann er zu verstehen. "Du... warst auch ihr Opfer. Du hast überlebt... und du bist entkommen...", mit geöffnetem Mund betrachtete er den jungen Krieger und schließlich, legte sich ein Lächeln auf seine schmalen Lippen, während er vorsichtig die schwarzen Haarsträhnen aus seinem Gesicht strich. Wenn er nicht vorher schon wahrhaftige Bewunderung, sowie tiefsten Respekt für diesen Mann empfunden hätte, dann wäre es spätestens jetzt soweit gewesen. Wie viel Wille, Kraft und Mut musste er in sich tragen, dass er nicht nur überlebt hatte, sondern auch die Stärke besaß gegen seine Peiniger aufzulehnen. Ganz allein. Noch einmal betrachtete er das Brandmal. So wie es aussah, war es schon einige Jahre alt. Es musste also schon länger her sein, dass sie ihn hier festgehalten hatten. War er darum zurückgekehrt? Um alleine Krieg gegen sie zu führen und Rache zu nehmen?
Doch er wischte die Fragen erstmal bei Seite. Vielleicht würde er irgendwann eine Antwort erhalten, doch dieser Tag war noch fern. Nun ging es darum, sich um ihn zu kümmern. Finuvandil beugte sich über ihn und legte für einen kurzen Augenblick seine Stirn auf die des Schwarzhaarigen. "Du hast schon so vieles überstanden... So viel Grausamkeit und Schmerz... Du wirst auch dies hier überstehen und ich werde dir dabei helfen, tapferer Krieger von den Sternen."

Vorsichtig zog er ihm die Kleidung aus, die seinen Rumpf und die Arme bedeckte. Inspizierte achtsam und zügig seine Haut um zu sehen, ob es noch eine weitere Stelle gab, die dringend versorgt werden musste. Doch Brustkorb und Arme sahen gut aus, auch wenn man ihm deutlich ansah, dass die letzten Wochen auch für ihn hart gewesen waren. Sein Körper war übersät von alten Wunden, frischeren Verletzungen, Narben und blauen Flecken. Vorerst schenkte er all dem aber noch keine wirkliche Beachtung, denn er wollte sich erst vergewissern, dass er nichts übersah. Behutsam legte er seine Hände an seine Seite und drehte ihn, sodass er einen Blick auf den Rücken werfen konnte, das Ganze wiederholte er auf der anderen Seite. Keine lebensbedrohlichen Verletzungen zu sehen. Er war erleichtert, doch fertig war er noch immer nicht.
Ohne zu zögern zog er dem Krieger seine Hose aus, denn immerhin wäre auch eine Verletzung der Beinarterien fatal. Doch auch hier gab es zeitig Entwarnung. Sogleich deckte er ihn zu und stellte eine der Fackeln näher an ihn heran. Er musste die Körperwärme den Jangchi im Auge behalten, nicht, dass er auch noch begann zu frieren. Als letztes, nahm er hinter seinem Kopf platz und strich konzentriert durch dessen Haar, um auch dort nach möglichen Wunden zu suchen, doch nichts. Erneut machte sich Erleichterung in ihm breit, während er den Schwarzhaarigen jungen Mann betrachtete. Das Brandmal der Epochias, nahm wirklich einen großen Platz auf seinem schönen Körper ein. Schönen Körper? Er wurde selbst leicht rot bei dem Gedanken und schüttelte ihn gleich wieder von sich. Bis zur Mitte des Oberschenkels reichten die roten Federn des Vogels.
Beinahe zärtlich streichelte Finuvandil ihm über die Stirn und lächelte. Was er in diesem Zeichen sah? Das es ein Teil seiner Vergangenheit war. Es gehörte zu ihm. Jede Narbe auf diesem Körper, erzählte ihre eigene Geschichte. Finuvandil wusste, durch wie viel Leid er gegangen war, doch tatsächlich fragte er sich, wie viel Qualen er noch hatte durchstehen müssen. Immerhin, hatte er die grausame Prozedur auf dem Platz überlebt.
Er wusste es nicht und gerade, spielte es auch keine große Rolle. Er hatte sich zurück in die Freiheit gekämpft und viele arme Lebewesen vor diesem grausamen Schicksal bewahrt... ihn selbst eingeschlossen. Jasur jangchimga rahmat (Danke, mein tapferer Krieger) Daraufhin schloss Finuvandil die Augen, legte die Fingerspitzen an die Schläfen des Mannes und begann gedanklich eine Melodie zu übertragen. Auf Krägan hatten sie ein Lied. Eines, dass sie den Kranken und Verletzten vorgesungen hatten, damit die verirrte Seele ihren Weg zurück ins Leben fand. Es sollte den Heilvorgang unterstützten und die Schmerzen lindern. Also begann er in seinem Geiste das Lied für ihn zu singen und weil er sich auch an die Stimmen seines Volkes erinnerte, hallten diese ebenfalls wie ein Echo in seinem Inneren wieder.

Während die Klänge der Musik durch sein eigenes Bewusstsein strömten, fokussierte er nur auf ihn. Sang und atmete in diesem Moment nur für ihn, um ihm Kraft und Trost zu spenden. raanè ressè, du wanderst allein, lörna à'kuilä, schlafend und doch wach, Vàrna mi'olör, sicher in deinen Träumen, türma ei ràumo, ein Schutz vor dem Sturm, Sinomë, hier bei mir. Der letzte Ton hallte in seinem Verstand nach und wurde immer leiser, doch sein eigener Geist ging auf die Reise. Er machte sich auf die Suche nach seiner Seele. Hielt Ausschau nach ihr, um zu wissen wie weit sie fort war. Erst herrschte nur Stille und er glaubte schon, dass es zu früh war, doch dann, begann sich etwas zu regen.
Vor seinem geistigen Auge begann sich etwas zu formen. Erst konnte er es nicht klar erkennen, doch aus dem Schatten begann etwas zu entstehen. Gebäude? Eine Stadt? Finuvandil versuchte noch näher heran zu gehen, doch etwas blockierte. Es war noch zu früh, also blieb er dort wo er war und sah der schemenhaften Stadt beim Wachsen zu. Ein hoher Turm, der in der Mitte ragte, dann brach die Verbindung ab.
Langsam öffnete er seine Augen und sah abermals in das Gesicht des Sternenkriegers. Er war noch da. Sein Geist war weit weg, aber er war noch hier. Lebte und verarbeitete. Das war gut. Zuversichtlich strich er ihm über die fahle Stirn und stand dann auf, um sich noch einmal die Hände zu waschen. Er nahm frisches Wasser aus einem anderen Krug und hielt die Schüssel einige Zeit über das Feuer, bis es eine angenehme Temperatur hatte. Er tauchte ein Tuch hinein und begann mit dem nächsten Schritt. Er ging in die Hocke und begann seinen Körper zu säubern und zu reinigen. Befreite ihn von Schmutz und alten Blutresten. Dabei ging er äußerst vorsichtig und behutsam vor. Sich um den Jangchi zu kümmern erfüllte ihn auf eine Art, die er selber nicht recht verstand, aber er hinterfragte es auch nicht.
Er ließ sich Zeit und nun betrachtete er den Körper des jungen Mannes doch nochmal intensiver, fuhr sanft mit dem feuchten Tuch über seinen rechten Unterarm und blieb mit den Augen an seinem Handgelenk hängen. Etwas war dort eingeritzt. Es sah aus wie eine umgekehrte Bergspitze, zumindest war dass das erste, an was er dachte. Zwei Striche, die sich in der Mitte trafen. Was es wohl für eine Bedeutung hatte? Ein weiteres Zeichen, dass seine ganz eigene Geschichte zu erzählen hatte. Ob er jemals erfahren würde, welche? Lächelnd ließ er den Arm sinken und machte bei der Schulter weiter, als er auch dort kurz inne hielt. Eine Verletzung die noch nicht sehr alt war, aber ebenfalls genäht wurde. Allem Anschein nach, hatte er sich selbst darum gekümmert. "... Du hast gelernt, für dich selbst zu sorgen". Interessiert betrachtete er die Naht und stellte fest, dass sie verdammt gut gemacht worden war. Wieder spürte er einen Anflug von Faszination für den jungen Krieger, welcher ihn einen hitzigen Schauer durch den Körper jagte, ehe er den Kopf schüttelte und sich darauf besann, einfach weiter zu machen.

Nachdem auch dies getan war, lief er in die andere Ecke des Raumes und rührte aus getrockneten Kräutern eine Heilsalbe an. Auf Krägan hatte er gelernt immer gut vorbereitet zu sein und dies kam nun auch dem jungen Krieger zu Gute. Fürsorglich trug er das grüne Gemisch auf seine Wunden auf und deckte ihn dann behutsam bis zum Halse zu. Vorsorglich holte er noch eine Decke, da er nicht wollte, dass er fror. Noch einmal legte er seine Handfläche auf die Stirn des Jangchi, spürte seinem Geist diesmal aber nicht nach. Er brauchte Ruhe, um sich zu erholen. Stattdessen bat er leise um den Beistand des Berges, unter dem sie verweilten. Bat ihn darum, dem Krieger aus den Sternen Kraft zu schenken, da er seinem Planeten etwas Gutes getan hatte. Danach, gab es für den Moment nichts mehr zu tun. Einige Atemzüge verharrte er ruhig, ehe er aufstand und aufzuräumen begann. Die Waffen des Kriegers legte er alle vorsichtig nebeneinander auf eine Ablage, die sich in unmittelbarer Nähe zur Matratze befand. Er würde sie also direkt sehen können, wenn er irgendwann erwachte. Seine blutige Kleidung würde er am nächsten Tag im Fluss auswaschen, wenn er auch seine Wasservorräte wieder aufstockte. Für heute, war auch er zu erschöpft. Er breitete eine dritte Decke auf dem Boden aus und legte sich auf sie, drehte sich auf die Seite, sodass er ihn ansehen konnte. Das Licht der Fackeln ließ ein warmes Spiel aus Licht und Schatten auf seinem Gesicht tanzen. Allmählich wurden auch seine Augenlider schwer und schließlich, gab er sich dem wohlverdienten Schlaf hin.

Nach einigen Stunden erwachte der Kräganer wieder und überprüfte sofort den Zustand des jungen Mannes. Seine Atmung war ruhig, der Körper warm. Für den Moment, schien alles in Ordnung zu sein, weshalb Finuvandil beschloss nach 'oben' zu gehen. Sanft berührte er zuvor die Stirn des Jangchi und erklärte, dass er gleich wieder da sei. Er stapelte die beiden Schüsseln aufeinander und band sich die Krüge um. Die blutbefleckte Rüstung des Kriegers, warf er sich über die Schulter.
Schnell lief er durch die Korridore und wählte den Ausgang, der ihn direkt zum Fluss bringen würde. Dort wusch er Schüsseln sowie Kleidung aus und füllte anschließend seine Krüge wieder mit Wasser auf. Die ganze Zeit lauschte er angestrengt, doch er konnte nichts außergewöhnliches feststellen. Sicherheitshalber kletterte er trotzdem auf einen hohen Baum, um von dort aus Ausschau zu halten - Doch nichts. Kein Flugobjekt. Keine Epochias. Alles war ruhig.
Wieder am Fluss angekommen, nutzte Finuvandil die Gelegenheit, um sich ebenfalls nochmal gründlicher zu waschen und kehrte dann mit seinem ganzen Hab und Gut in sein Versteck zurück. Doch so wie er in den Raum trat, bemerkte er eine Veränderung. Der Jangchi atmete schwer und rasch, sein Körper glühte. Binnen von Sekunden reagierte er, legte ihm feuchte, lauwarme Tücher um die Waden und eines auf die Stirn. Er hatte höhere Temperatur entwickelt. Kein gutes Zeichen. Schnell besah er sich die Wunde, die aber keine Entzündung aufwies. Zwischen der schweren Atmung murmelte er Worte, die der Kräganer nicht verstand. Schnell legte er die Hände an sein Gesicht und begann erneut für ihn zu singen. Immer und immer wieder, bis sein Innerstes allmählich zur Ruhe fand. Die schmerzverzerrten Muskeln, entspannten sich langsam und seine Atmung wurde ruhiger.

Sein Ziel war es, ihn am Leben zu halten. Dafür zu sorgen, dass er wieder gesund wurde und dafür kämpfte Finuvandil unerbittlich. Es dauerte mehrere Tage, bis sich die Temperatur des Jangchi wieder stabilisierte. Stundenlang tat er nichts außer an seiner Seite zu sein, heilende Lieder zu singen, die Stoffe in Wasser zu tränken und neu zu platzieren. Immer und immer wieder bat er ihn, bei ihm zu bleiben. "Men bilan qolin. Men bilan qolin", wie ein Mantra sagte er es auf. Er durfte nicht sterben. Er durfte nicht gehen... Denn wenn er ging, war er wieder allein. Dabei war es nicht nur die Angst vor der Einsamkeit, die ihn antrieb. Nein, sein Wunsch war es, ihn kennenzulernen. Mehr über ihn zu erfahren. Er wollte wissen wer der Sternenkrieger wirklich war.
Wann immer sein Zustand besser wurde und sich sein Geist beruhigte, erhaschte Finuvandil schemenhafte Bilder und Szenen aus seinen Gedanken. Anfangs war es immer wieder die Stadt, die er sehen konnte. Zunächst den Blick eher von außen, kam es ihm mit der Zeit vor, als würde er durch die Straßen gehen. Doch die Szenerie war noch immer nicht klar. Alles war verschleiert und in Nebel gehüllt. Ein Zeichen, dass der Geist des Yulduzli Jangchi noch immer rastlos und verirrt war. Das sein Körper so arbeiten musste, trug nicht dazu bei, dass sich seine Seele wirklich erholen konnte. Also tat Finuvandil alles dafür, den Heilungsprozess positiv zu beeinflussen. Er gestattete sich nicht mehr zu schlafen. Brauchte die Kontrolle, jederzeit sofort einzugreifen, wenn er wieder unruhig wurde und die Temperatur stieg. Immer wieder träufelte er Wasser in den Mund des Jangchi, damit er wenigstens Flüssigkeit zu sich nahm. Es war ein stetiges auf und ab, aber sein Körper kämpfte und mit der Unterstützung des Kräganers, erlangten sie schließlich auch den Sieg. Am sechsten Tag hatte der Jangchi keinen Rückfall mehr. Seine Atmung war immerzu ruhig, seine Muskeln krampften nicht mehr und die Temperatur schien dauerhaft normal zu sein.
Erschöpft und doch glücklich ließ sich Finuvandil an diesem Tag neben ihn sinken. Gänzlich wohl war ihm noch immer nicht sich von ihm zu 'lösen', aber er wusste, dass auch er Kraft tanken musste. Wenn er nicht ausgeruht war, war er auch für ihn keine Hilfe. Dennoch schloss er nur sehr widerwillig seine Augen, streckte jedoch seine Hand aus und ließ sie auf der Brust den Jangchi ruhen. In der Hoffnung, dass er es gleich merken würde, wenn etwas nicht stimmte.

Da war wieder diese Stadt. Doch diesmal war es anders. Diesmal, war Finuvandil nicht allein. Er konnte ihn sehen. Einige Meter entfernt und nur schemenhaft, doch er war da. Der Jangchi, war da. Schlagartig öffnete der Kräganer seine Augen und richtete sich auf. Er wusste nicht wie lange er geschlafen hatte und es war auch nicht wichtig. Das, was er gerade gesehen hatte... War das sein eigener Traum gewesen? Oder eine Übermittlung von ihm? Zügig krabbelte er näher an ihn heran und betrachtete ihn mit neugierigen Augen. Ganz sachte legte er die Hand auf seine Stirn und begann sein Lied für ihn zu singen. Während der letzten Klänge machte er sich auf die Suche nach seinem Geist und tatsächlich: Er war da. Bewegte sich langsam durch die Straßen der Stadt und das Gefühl, dass Finuvandil dabei verspürte war 'Heimat'. Der Kräganer tat nichts, außer ihn still zu begleiten. Die Umrisse waren noch nicht klar genug. Seine Stimme würde ihn nicht erreichen, selbst wenn er sie erheben würde. Und dennoch schien er etwas zu hören. War es bereits sein Lied? Ließ er sich von dessen Ruf leiten? Doch so wie er sich mit ihm auf die Reise begab, fiel ihm das zart leuchtende Band auf, welches den rastlosen Krieger scheinbar durch die Straßen führte. Finuvandil hatte so etwas schon mal gesehen. Erschienen Bänder in Gedanken, war das immer ein Zeichen für eine starke, emotionale Bindung. Zu wem ihm dieses Band auch führte, dieser jemand hatte eine große Bedeutung in seinem Leben. Einen festen Platz, in seinem Herzen.
Der Weg führte um eine Ecke und plötzlich, befanden sie sich nicht mehr auf der Straße, sondern im Inneren eines Hauses. Wieder bekam der Kräganer einen sanften Impuls: 'Familie'. Noch während dieser Erkenntnis, tauchten in seinem Blickwinkel Personen auf, deren Gestalt aber nicht klar zu erkennen war und der Jangchi hielt sich auch nicht lange auf, folgte stattdessen weiter dem Band, welches nun heller strahlte und ein paar Stufen nach oben führte.
Dann änderte sich die Szenerie erneut und nun befanden sie sich draußen in der Wildnis. Finvuandil konnte hohe Bäume sehen, einen großen Berg, tiefes Wasser und dann nahm ihm auch schon heftiger Zugwind die Sicht. Ungnädig peitschte er dem Krieger ins Gesicht, doch er stemmte sich mit aller Kraft dagegen, steuerte auf ein paar Bäume zu und mit einem mal, befanden sie sich wieder in einem warmen, geschlossenem Raum. 'Dr. Freemakle', war der Impuls, der dazu kam und der Kräganer blickte interessiert auf die Frau, bei der sich der Jangchi sehr wohl zu fühlen schien. Aber sie war nicht Diejenige, zu der das Band führte. Dennoch hielt er sich länger bei ihr auf, schien sogar mit ihr zu sprechen, auch wenn kein Ton ihre Lippen verließen. Ein beruhigendes Rauschen ließ Finuvandil in eine Ecke des Zimmers sehen. Ein rundes Ding stand dort herum und drehte sich immer und immer zu im Kreis herum. Kühle Luft strömte daraus und die Gefühle welche er verspürte waren Ruhe, Geborgenheit und Akzeptanz.
Bei dieser Frau fühlte er sich verstanden und wertgeschätzt, anders als in dem Wohnhaus zuvor. Langsam sah er hinüber zu dem schwarzhaarigen, jungen Mann, der noch immer mit der Frau sprach, doch das Bild wurde immer verzerrter. Immer undeutlicher. Die Verbindung brach ab. Tief einatmend löste sich der Kräganer von ihm und ließ die Augen noch einige Sekunden geschlossen, ehe er zurück in die Realität kehrte.
Die Reise des Sternenkriegers hatte begonnen. Er hatte sich auf den Weg gemacht, durch sein persönliches Labyrinth und scheinbar, war es nicht nur seine Stimme, die ihm dabei half den richtigen Weg zu finden. Glücklich beugte er sich über den Mann und küsste seine Stirn. "Men seni ko'rishim. Mumkin edi sizning fikringiz qaytdi. Ich konnte dich sehen. Dein Geist ist zurück.

Und das war gut. Das war sehr gut. Es zeigte, dass Finuvandils Fürsorge anschlug. Körper und Geist waren auf dem Wege der Genesung. Während er frisches Wasser in eine flache Schale schüttete, dachte er über die Dinge nach, die er gesehen hatte, verweilte in den Eindrücken dieser Erinnerungen. Sie stimmten ihn melancholisch. Doch er schob die Gedanken vorerst von sich, denn er hatte heute etwas vor.
Er ging hinüber zu seinem 'anderen' Versteck, um dort die zweite Matratze und weitere Decken zu holen. Außerdem nahm er Bücher mit und dieses Puzzle, dass er gefunden hatte. Wie oft hatte er es in den letzten Wochen gepuzzelt und dabei konnte er es nie fertig stellen, weil ein Teil fehlte. Ewigkeiten hatte er in den verlassenen Wohnhäusern danach gesucht, aber nichts. Auf dem Puzzle war eine wilde Landschaft zu sehen. Ein reißender Fluß mit hohen Bäumen und Bergen im Hintergrund. Es wirkte wie ein Abbild der direkten Umgebung. Aber dieser eine Baum würde nie komplett sein, weil ein Teil fehlte.
Nachdem er alles beisammen hatte, legte er die Matratze direkt neben die, auf der der Krieger schlief. Vorsichtig bettete er ihn um. Immerhin hatte er die letzten Tage immer wieder Hitzewallungen bekommen. Zur Heilung gehörte auch, einen sauberen Schlafplatz zu haben. Er nutzte die Gelegenheit und rieb vereinzelte Wunden nochmals ein, überprüfte den Zustand seiner Bauchverletzung und kochte anschließend eine Kräutersuppe, von der er ihn immer wieder ein klein wenig zu trinken gab, soweit es der Körper eben zuließ.
Er hüllte ihn in frische Decken und machte sich dann auf den Weg nach oben, um die alten Sachen einmal im Fluss auszuwaschen. Es war angenehm draußen und die frische Luft tat gut. Es tat ihm Leid, dass er ihn weit unter der Erde gesund pflegen musste, aber sobald er wieder bei Bewusstsein war und es sein Zustand erlaubte, konnten sie auch in eines der verlassenen Gebäude umziehen. Dann hätte er etwas Frischluft und Licht.
Gedankenverloren starrte Finuvandil ins Leere, während er sich daran zurückerinnerte, wo er eigentlich her kam. Er war ein Kräganer. Er sollte auf dem Berg leben, nicht darunter. Seufzend griff er nach den Wasserkrügen, sowie den ausgewaschenen Decken und verschwand damit in ihr dunkles, aber sicheres Versteck.

Wieder sang er sein Lied für ihn und wieder folgte er dem Geist des Kriegers durch dessen Vergangenheit. Auch wenn Finuvandil nicht in seinen Gedanken verweilte, bewegte sich die Seele des Reisenden, doch wusste er von den Lehren seines Volkes, dass ihr Lied einen erheblichen Beitrag dazu leistete, dass der Geist sich fokussierter und schneller orientieren konnte. Die Klänge sprachen bestimmte Synapsen und Nervenstränge an, die es dem Verwundeten leichter machten, den richtigen Weg durch das Gedanken-Labyrinth zu finden.
Wie lang der Jangchi letztlich im Raum mit dem drehendem, rauschendem Kreis verweilt hatte, wusste Finuvandil nicht. Inzwischen befanden sie sich in einem anderen Haus. Dieser Ort war gänzlich anders, als jene zuvor. Alles hier war vertraut und vermittelte Wärme. Zwar lösten die Räume auch eine gewisse Unruhe in ihm aus, aber das Grundgefühl war heimisch. Zweifelsohne hatte der Sternenkrieger hier sehr viel Zeit verbracht.
Unbemerkt folgte er dem schwarzhaarigen Mann weiter. Das Band leuchtete heller denn je. Sein Strahlen überdeckte jegliche Dunkelheit und führte direkt zu einem Jungen. Dieser schenkte dem Krieger ein herzliches Lächeln und sie begannen zu sprechen. Cho drang es aus den Lippen des Jangchi und Finuvandil erinnerte sich sogleich. Als er auf dem Totenplatz auf ihn zugeschritten war, hatte er das auch gesagt. Cho... Er hatte es nicht verstanden. Wusste nicht, was es bedeutete. Doch nun glaubte er zu wissen, dass es der Name dieses Jungen war. Doch nicht nur diese Erkenntnis bewegte den Kräganer. Nein, es waren die Impulse die er gerade verspürte. Liebe. Pure, reine, bedingungslose Liebe, sowie Verlust. Ein sehr, schmerzlicher Verlust. Familie. Dieser Junge war seine Familie und er hatte ihn verloren. Als unsichtbarer, jedoch mitfühlender Zuschauer beobachtete er die Szenerie weiter. Sah, wie der Junge die Hand des Größeren nahm und ihn daraufhin das strahlende Band in die Hände legte. Du gehst in die richtige Richtung. Du musst der Stimme folgen Seven. Folge. Der. Stimme. Eindringlich sah der Jüngere ihn an und schließlich nickten sie sich zu. Lange hielten sie sich noch an den Händen, ehe sich der Krieger von ihm löste, doch nicht ohne nochmal zurück zu sehen.
Während Finuvandil an dem Jungen vorbei ging, war ihm fast, als würde dieser ihn direkt ansehen und zulächeln, doch eigentlich, war das nicht möglich. Wenn ihn überhaupt irgendwann jemand wahrnehmen konnte, dann der Reisende selbst und nicht mal dass, war immer der Fall.
Also ließ er den Jungen, der den Namen Cho trug und auch das Haus hinter sich zurück, um dem Krieger in einen Strudel aus Farben, Lichtern und Geräuschen zu folgen. Als das Bild wieder klarer wurde, befanden sie sich erneut im Inneren von etwas, doch diesmal war der Anblick Finuvandil selbst vertrauter. Sie befanden sich auf einem Raumschiff. Gladius, drang es in seinen Verstand und er sah wieder zum Krieger zurück, wartend auf dessen nächsten Schritt. Dass er ihn mittlerweile verstehen konnte, wenn er etwas sagte, war ein sehr gutes Zeichen. Es bedeutete, dass sie sich mehr und mehr annäherten. Finuvandils Ruf wurde deutlicher und umgekehrt die Stimme des Yulduzli Jangchi immer klarer.

Finuvandils Tage liefen immer gleich ab. Gleich nach dem Erwachen, half er dem Krieger den richtigen Weg durch seine Vergangenheit zu finden. Danach kümmerte er sich um die Nahrungsaufnahme. Als nächstes wurden die Wunden versorgt, so es nötig war und die Haut des Schlafenden mit einem lauwarmen Tuch gewaschen. Nach den letzten Ereignissen, war er sich inzwischen doch sehr sicher, dass der Jangchi den Namen 'Seven' trug. Am liebsten würde er stundenlang für ihn singen und ihm helfen schneller aus dem Labyrinth zu finden, doch erstens durfte er sich selbst nicht überfordern und zweitens brauchte es nun mal Zeit. Zeit und Geduld. Er musste der Seele auch die Möglichkeit geben, sich selbst wieder zu finden. Wenn es zu schnell ging, verlor er sich möglicherweise in einem Gedankenstrom und dann würde ihm Finuvandil nicht mehr helfen können. Dann war er für ihn nicht mehr zu erreichen und höchstwahrscheinlich für immer verloren. Sein Geist würde verirrt bleiben und sein Körper nicht mehr erwachen. Nein... Vor diesem Schicksal würde er ihn bewahren. Bei ihm würde er sicher sein. Er hatte ihm sein Wort gegeben und daran hielt er fest.
Tagsüber versuchte er lediglich mit mildem Beistand seinen Geist anzuregen, in dem er ihn aus Büchern vorlas, dessen Schrift er nicht lesen konnte. Aus Bilderbüchern für Kinder erzählte er ihm einfach, was er auf den Zeichnungen sah und wie er die Geschichte auffasste. Manchmal, wenn er selbst etwas Ruhe brauchte, setzte er sich einfach nur neben ihn und puzzelte. Dass es immer wieder das Gleiche war, störte ihn dabei kein bißchen. Viel schlimmer war dieses Teil, dass immer fehlte.

Lange waren sie mit dem Raumschiff gereist. Immer wieder tauchte ein Kind auf, welches den Namen Franklin trug, sowie Doctor Doom, dem die Gladius gehörte. Finuvandil konnte es spüren - der Jangchi hatte keine Wahl. Er musste hier bleiben. Es gab keinen Weg zurück. Die Verzweiflung darüber, hatte er anfangs stark spüren können. Noch schlimmer wurde es, als sie Aufzeichnungen fanden, die wohl über den Zustand seiner Heimat berichteten. Wieder konnte Finuvandil seine Pein und seinen Schmerz fühlen. Bilder flackerten vor seinen Augen auf. Bilder vom jungen Krieger der immer kränklicher, schwächer und dünner wirkte. Er hatte den Wunsch zu sterben. Achtsam betrachtete der Kräganer seinen Sternenkrieger und ließ sein Lied noch intensiver erklingen, sodass er ihn sicher durch diesen Rückblick führte.
Nachdem sie gemeinsam um die Ecke gingen, befanden sie sich in einem leeren Raum. In dessen Mitte stand eine einzelne, schwarze Box. Der Sternenkrieger ging langsam darauf zu, berührte sie und sagte wieder den Namen Cho. Kurz darauf baute sich ein Strudel aus Farben um sie herum auf und schließlich befanden sie sich irgendwo draußen. Finuvandil drehte sich einmal um die eigene Achse. Hier war nichts. Nichts außer verbranntem Boden und es war furchtbar heiß. Impulse von Seven schwappten zu ihm über. Sein Heimatplanet. Dies sollte der Ort sein, an dem die Reise begonnen hatte? Rasch wendete er sich ihm zu und sah gerade noch, wie ein jüngeres Abbild des Kriegers sein Beatmungsgerät abnahm. Ein erneuter Versuch, dieses Leben zu beenden.
"Bu erda kechikmang. Siz davom etishingiz kerak. Verweile nicht hier. Du musst weiter gehen", richtete er die Worte an den erwachsenen Mann, dessen Blick völlig leer schien, in dessen Inneren aber so vieles geschah. "Ovozga ergashing, folge der Stimme", wiederholte er die Worte des Jungen und es schien zu wirken. Der Jangchi ließ die Augenlider sinken und wieder änderte sich die Szenerie.
Sie waren zurück auf dem Schiff von Doctor Doom, doch etwas stimmte nicht. Wachsam betrachtete er den Sternenkrieger, der sich nicht regte und einfach nur starr geradeaus blickte. Die Gefühle die ihn mit einem mal völlig unvorbereitet trafen, ließen Finuvandil erzittern. Angst. Angst. Angst. Um sie herum herrschte mit einem mal Chaos. Laute Stimmen, Schüsse und dann, war auch schon alles dunkel.

Langsam öffnete der Kräganer seine Augen. Doch als er registrierte, wo sie sich befanden, sog er scharf die Luft ein und wich angstvoll zurück. Der Platz mit den Pfählen. Epoch. Die Verbindung flackerte. Er war selbst so voller Angst, dass er kurzzeitig die Kontrolle über seinen eigenen Fokus verloren hatte. "Es ist nicht real...", sagte er sich selbst und versuchte mit aller Macht zurück zu Seven zu kehren. Er brauchte ihn. Jetzt wahrscheinlich mehr als je zuvor. Es dauerte ein paar Sekunden, doch es gelang. Er stelle die Verbindung wieder her, doch gerade als er bei ihm angekommen war, drangen Flammen vor sein geistiges Auge, die ihn erneut zurückschrecken ließen. Ein brennender Schmerz, der Mark und Bein durchzog. Sein Schrei drang an die Ohren Finuvandils und er schüttelte den Kopf. "Nicht real...", sagte er sich wieder und sah sich suchend nach dem Krieger um. Doch alles was er sah, waren Gesichter. So viele grauenvolle Gesichter. So viele Hände auf seinem nackten Körper. Die Empfindungen des Jangchi strömten ungehindert auf ihn ein und er schaffte es kaum, sich selbst zu rühren. So viel Schmerz. So viel Angst. So viel Hilflosigkeit. Finuvandils Körper bebte, doch er kämpfte. Zwang seine Beine sich zu bewegen. "Qo'rqmang! Hab keine Angst. Bu haqiqiy emas! Es ist nicht real!" Er konnte ihn spüren, trieb seine Beine immer weiter in seine Richtung. Überall um ihn herum war Feuer und grausame Schattengestalten die mit ihren Händen nach ihm griffen. "Tugadi! Siz buni allaqachon qildingiz. Siz davom etishingiz kerak! Es ist vorbei! Du hast das schon hinter dir. Du musst weiter gehen!" Er lief weiter und dann sah er ihn. Zusammengekauert, die Hände fest auf die Ohren gepresst, die Augen fest geschlossen. "Jangchi! Siz turishingiz kerak! Du musst aufstehen!" Mit einem mal, baute sich hinter dem Krieger etwas auf. Dunkel, grau und zäh fließend. Der Gedankenstrom. Finvuandils Augen weiteten sich als er plötzlich von einem Sog gewaltsam nach hinten gezerrt wurde. Mit aller Kraft versuchte er dagegen anzukämpfen. Nein. Er würde nicht verlieren. Er würde ihn nicht verlieren.
"Bitte... Vater. Mutter. Krägan... Bitte... gebt mir die Kraft..." Flackernd schlossen sich seine Augen. Er baute eine Mauer um seinen Geist und führte sich selbst zum Anfang zurück, während die Gesänge seines Volkes durch seinen Verstand wanderten.
le ar'uunèr ana kaurë, uur'anor wannëa, isilme va'arya, telume siila tere, na'are utumno wanya. Du musst dich nicht fürchten, Sonnenlicht erwache, Mondlicht schütze uns, Stern des Himmels erstrahle, Flamme der Hölle verschwinde
Er öffnete die Augen, spürte seinen vertrauten Wind hinter sich. Stark und mutig drängte er dem Strom entgegen, während sich seine Augen wieder auf Seven richteten. "Yonimga keling! Mening ovozimga ergashing! Komm zu mir! Folge meiner Stimme!" Immer und immer wieder rief er ihm entgegen, bis sich seine Haltung änderte. Bis er sich erhob und langsam auf ihn zubewegte, auch wenn er ihn nicht sehen konnte. "Hammasi joyida. So ist es gut. Siz davom etishingiz kerak. Du musst weiter gehen." Der Sog wurde stärker und mit ihm der Wind. Ein scharfes Rauschen ertönte, gefolgt von einem Knistern, welches immer wieder verschiedene Bilder und Szenerien aufflackern ließ. "Qaramang! Mening oldimga keling! Sieh nicht hin! Komm einfach zu mir." Der Krieger lief weiter und inzwischen schien es, als befänden sie sich in einem langen Korridor. An einer offenen Tür hielt er plötzlich wieder inne und sah in den Raum hinein. Ein Brett und ein unheilvoller Klang. Impulse von einem Mann der seinen Hinterkopf immer und immer wieder gegen den harten Untergrund schlug, um endlich zu sterben. "SEVEN! Sieh, nicht, hin! Komm zu mir. Komm einfach zu mir - bitte", sein Ruf wurde fast flehend, während der Mann mit müden Augen in das Zimmer starrte, sich aber doch langsam wieder auf ihn zubewegte. "Das ist die richtige Richtung. Gleich hast du es geschafft." Mit jedem Augenblick der vorbei zog, fühlte der Kräganer wie ihn seine eigene Kraft verließ. Er war schon zu lange hier drin. Es war zu viel. Für sie beide. Das Bild begann zu flackern, doch er hielt mit eiserner Willensstärke daran fest. "Komm... zu mir", haucht er fast tonlos und streckte ihm die Hand entgegen, von der er sich sicher war, dass er sie nicht einmal sah. Und dann, ganz plötzlich, tauchte weit hinter ihm wieder der graue Strom auf. Blitzschnell raste er auf den Schwarzhaarigen zu. Finuvandil zögerte keine Sekunde, streckte sich nach dem Mann aus und zog ihn zu sich. Dann, war alles vorbei.
Licht. Weißes Licht. Ein Stern der vom Himmel fiel. Finuvandil konnte Franklin sehen, der auf Epoch landete und ihn rettete. Er rettete ihn. Das Bild flackerte erneut. Wurde immer unschärfer. Die Verbindung brach nun gänzlich ab.
Scharf sog Finuvandil die Luft ein und riss den Kopf zurück. Seine Stirn war schweißgebadet, heiße, stumme Tränen rannen ihm über das Gesicht, Blut lief aus seiner Nase und er zitterte am ganzen Körper. Doch er ignorierte seinen eigenen Zustand und beugte sich sogleich über seinen Schützling. Auch er sah blass aus, aber seine Atmung war ruhig. Seine eigenen Tränen landeten auf dem Gesicht des Kriegers und er strich sie ihm behutsam von der Wange. Sie hatten es geschafft. Er hatte ihn durch diese schrecklichen Erinnerungen geführt und dennoch, blieb ein schmerzliches Gefühl in ihm zurück. Wie viel Leid er hatte ertragen müssen. Wie viel Schmerz durchstehen. Er weinte. Er weinte, denn die Ereignisse und Empfindungen erdrückten ihn. Er kauerte sich neben ihm zusammen und ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Solange, bis sein bebender Körper vor Erschöpfung in den Schlaf abdriftete.

Die letzte Gedankenreise, hatte stark an Finunvandils eigenen Kräften gezehrt. Zu lange hatte er sich in seinem Geiste aufgehalten und zu viel war geschehen. Es war genau das eingetreten, vor dem ihm die erfahrenen Heiler immer gewarnt hatten. Der Gedankenstrom war erschienen und beinahe, hätte er ihn verloren. Es grenzte fast an ein Wunder, dass sie es beide noch geschafft hatten. Doch nun, musste er ruhen. Nicht nur sein Körper brauchte Ruhe, sondern auch seine eigene Seele, musste wieder Kraft schöpfen. Die Erinnerungen des Jangchi verfolgten ihn. Immer wieder sah er die Bilder von dieser schrecklichen Zeit. Es quälte ihn wie viel Leid er hatte ertragen müssen und das über so einen langen Zeitraum hinweg. Doch er hatte es geschafft. Franklin hatte Seven gerettet und er war wieder aufgestanden, obwohl er kurz vor dem Zerbrechen war. Die Stärke dieses Mannes, faszinierte ihn... und nicht nur das.
Für Finuvandil selbst war es das erste mal, dass er jemanden so lange durch das Gedanken-Labyrinth begleitete. Früher auf Krägan hatten sie sich abgewechselt oder der Verwundete hatte nur ein paar Tage gebraucht, bis er wieder völlig genesen war. Bei Seven, war es anders. Ihn begleitete er nun schon vom ersten Moment an und würde dies auch so lange tun, bis er wieder erwachte.
Einen ganzen Tag pausierte er. Nicht nur für sich, auch für den Sternenkrieger selbst. Sein Geist musste sich auch erst von den schicksalhaften Ereignissen der Vergangenheit erholen und der Kräganer wollte es nicht riskieren noch einmal dem Gedankenstrom zu begegnen.

Als er das nächste mal für ihn sang, befand sich sein Geist auf einem anderen Planeten. Alles wirkte friedlich und ruhig. Es schien so, als bauten sie eine neue Kolonie auf. Eine neue Heimat? Der Sternenkrieger wirkte gefasst, der Mut in seinen Augen war zurückgekehrt, doch außerdem nahm Finuvandil eine weitere Veränderung wahr. Die Zeit auf Epoch hatte den jungen Krieger stark geprägt. Er wirkte kühler, distanzierter, verschlossener. Und auch der Frieden wehrte nicht lange. Unter ihren Füßen, begann der sandige Boden zu vibrieren und mit einem Mal brach Krieg aus. Eine andere Spezies kämpfte mit ihnen um den Planeten. Um sie herum wüteten Explosionen und Schüsse, doch der Kräganer stand ganz ruhig und fokussiert, blickte einfach nur wachsam auf seinen Schützling, um ihn notfalls unterstützten zu können, falls er seine Führung brauchte.
Konzentriert sah er ihm beim Kämpfen zu, war sich aber sehr wohl bewusst, dass bald wieder ein einschneidendes Ereignis folgen würde, sonst wären sie nicht hier.
Die nächste Angriffswelle kam und Seven versuchte sie mit einem Portal aufzuhalten. Finuvandil konnte die Anstrengung spüren. Konnte fühlen wie ihm die Kraft mehr und mehr verließ. Das Portal flackerte, verlor an Stabilität und der Jangchi? Er zitterte, wurde blass, verlor jede Menge Blut durch Nase und Augen. Er konnte all dem nicht mehr standhalten, war kurz vor dem Zerbrechen. Das Portal fiel in sich zusammen, doch dann veränderte sich etwas. Finuvandil konnte die Kraft spüren, die sich wieder in ihm aufbaute, spürte einen heftigen Ruck, der den Körper des Kriegers durchzog und mit einem mal, erschuf sich das Portal neu und wirkte mächtiger denn je. Binnen von Sekunden ließ es alle Angreifer darin verschwinden. Völlig fasziniert stand er da, musterte den Sternenkrieger der seine eigenen Hände betrachtete und sich seiner neuen Stärke bewusst wurde. "Deine Kraft kann sich weiterentwickeln...", schlussfolgerte der Kräganer und trat näher. Er war nicht mehr als ein unsichtbarer Zuschauer, doch wie gerne hätte er die Hand nach ihm ausgestreckt... Doch weshalb eigentlich?

Die Faszination für den Jangchi stieg mit jeder Gedankenreise weiter an. Immer öfter erwischte sich Finuvandil, wie er einfach neben ihm lag und ihn ansah. Dabei zusah, wie sich sein Brustkorb im Schlaf hob und senkte. Seine Augenlider die immer wieder zuckten, weil sein Geist auch ohne ihn auf Reisen ging. Häufiger strich er ihm über sein schwarzes Haar und langsam... machte sich eine gewisse Sehnsucht in ihm breit. Er wollte ihm endlich wirklich begegnen. Wollte ihn kennenlernen. Mit ihm sprechen. Seine Stimme hören. Wollte von ihm wahrgenommen werden. Doch mit den Gedanken, kamen auch die Zweifel. Was, wenn er ihn direkt verließ, nachdem er aufgewacht war? Nun ja, dass wahrscheinlich eher nicht, da sein Körper noch die Ruhe brauchte, aber... was wenn er gar nicht hier bei ihm sein wollte? Was... Wenn er ihn gar nicht mochte? Die Gedanken gefielen Finuvandil nicht. Ganz und gar nicht, aber er war vernünftig genug, sich auf das Wichtige zu konzentrieren. Es spielte keine Rolle, ob er ihn mochte oder nicht. Das einzige was zählte, war ihm zu helfen und zurück ins Leben zu führen. Alles andere, würde die Zeit zeigen.
Die Tage zogen an ihnen vorbei, während sie immer gleich abliefen. Inzwischen wusste der Kräganer, dass eine zweite Stadt errichtet worden war, die den Namen Seven Town trug. Daraufhin waren sie erneut mit einem großen Raumschiff unterwegs gewesen, zogen kurz darauf aber wieder die Aufmerksamkeit mächtiger Gegner auf sich - die sie ebenfalls schlugen.
Des weiteren hatten sie Geschichten gehört über ein Wesen, welches in der Lage war die Vergangenheit zu ändern und scheinbar die Zukunft kannte. Finuvandil wollte es nicht recht glauben, dass so ein mächtiges Wesen existieren soll, aber für Seven bedeutete diese Information sehr viel, dass hatte er ganz klar spüren können.
Auch wusste er, dass sich Seven und sein Freund Franklin einer Gruppe namens Red Wachters angeschlossen hatten. Eine Gilde die für Geld Aufträge erfüllte. Seven hatte sich nicht nur weiterentwickelt, was seine Portal-Kraft anging, sondern auch im Kampf Mann gegen Mann war er gerade zu perfekt. Zumindest in Finuvandils Augen.

Die Flammen der Fackeln tauchten das Versteck abermals in ein mystisches Licht, während Finuvandil den Oberkörper des Jangchi mit einer Heilsalbe einrieb. Etwas zu lange verweilte er mit seinen Augen auf dessen nackter Haut, ehe er sich schnaubend zurückzog und ihn brav zudeckte. Die Fackeln hatte er bereits nach der Gedankenreise auf Epoch, vorsorglich weiter weggestellt. Er wusste nicht, wie Seven inzwischen auf Feuer reagierte. Hatte er Angst davor? Machte es ihn unruhig? Daher hatte er sie so weit wie möglich von ihm entfernt, sodass sie ihm trotzdem noch Wärme spendeten, aber nicht mehr allzu nah waren.
Der Kräganer reckte und streckte sich, fuhr sich über die erschöpften Augen und betrachtete sein unscharfes Spiegelbild in der Wasserschale. Sie näherten sich dem Ende, dass konnte er spüren. So viel war in seinem Leben geschehen. So viel hatte ihn geprägt. Aus dem unsicheren Jungen war ein selbstbewusster Krieger geworden und Finuvandil hatte ihn auf dieser Reise begleitet. Doch nun, näherten sie sich dem Ausgang des Labyrinths. Immer klarer konnte er Sevens gedankliche Stimme hören. Immer deutlicher wurden seine Empfindungen. Außerdem konnte er fühlen, dass auch sein Ruf ihn immer stärker erreichte. Zielsicher bewegte er sich mittlerweile und schien genau zu wissen, in welche Richtung er gehen musste. Tief atmete er ein, ließ die Schultern rollen und schritt erneut an ihn heran. Nahm seinen gewohnten Platz hinter ihm ein und legte die Hände an seine Schläfen, ehe er sanft zu singen begann.

Ein weiteres Zeichen, dass Seven seine Stimme bewusster wahrnahm: Die Verbindung baute sich wesentlich schneller auf und Finuvandil brauchte inzwischen nur noch wenige Sekunden, um zu seinem Geist zu gelangen. Er fand seinen Sternenkrieger. Auf Epoch. In der Hangarbucht. Nur eine flüchtige, vorbeiziehende Szenerie, bis sich die Umgebung direkt veränderte. Ein Mann. Ein General. Der, den Seven töten soll. Finuvandil erkannte sein Gesicht. Kannte es von den vorherigen Erinnerungen aus Epoch. Eisige Kälte breitete sich um sie herum aus, als der Epochias auf Seven zuging und unsittlich berührte. Danach, ging alles ganz schnell. Um sie herum begann es zu wackeln, die Umgebung färbte sich blutrot. Schreie, Schüsse, Rufe, alles drang gleichzeitig an ihre Ohren. Sevens Augen wurden starr und gleichzeitig loderte der Zorn in ihnen. Einzelne Bilder flackerten auf. Gegner die leblos zu Boden fielen, Wunden die im Schutz der Berge versorgt wurden, Portale die sich öffneten, nur um kurz darauf wieder zu verschwinden und ganz am Schluss, der Platz. Der Platz, der Finuvandil selbst noch immer einen eisigen Schauer bescherte, doch inzwischen hatte er keine Angst mehr. Treu und fest war sein Stand während er dem Jangchi dabei zusah, wie er seine letzte Schlacht schlug. Bei diesem letzten Gegner, war es anders. Persönlicher. Empfindungen vergangener Zeiten drängten sich in sein Bewusstsein, Gefühle von Sympathie, die nun jedoch von den Flammen des Hasses ausgemerzt wurden. Die letzten Schüsse fielen und der Kräganer sah Seven beim langsamen Fallen zu. "Siz deyarli u erdasiz, sayohatchi. Endi hayotga qayt. Du bist fast am Ziel, Reisender. Nun kehre ins Leben zurück." Noch ehe Seven auf dem Boden aufschlug, öffnete er die Augen und wieder ging alles ganz schnell. Etwas spulte rückwärts, ließ alle Ereignisse, Bilder, Szenerien nochmal aufflackern und das in einem enormen Tempo. Finuvandil lächelte und zog seine Seele zurück, kehrte in die Realität zurück, denn nun war ihre gemeinsame Reise vorüber. Den letzten Weg, musste Seven alleine gehen. Er musste nach dem Leben greifen und sich aus dem Dämmerschlaf lösen.
Die braunen Augen des Kräganers öffneten sich und er sah abwartend und voller Aufregung zu Sevens Gesicht hinunter. Seine Atmung ging schneller, seine Augenlider bewegten sich. Nervosität machte sich in ihm breit und er zog sich ein wenig zurück, dass er ihn nicht direkt sah, wenn er tatsächlich erwachte. Nicht, weil er Angst hatte, er wollte ihn schlichtweg nicht überfordern. Erfahrungsgemäß war es den meisten Verwundeten lieber, sich erstmal allein auf die Umgebung zu konzentrieren, nicht auf andere anwesende Personen... Vor allem nicht, wenn sie gänzlich unbekannt waren.
Das Herz in seiner Brust pochte wie verrückt, während er Seven aus der Distanz beobachtete, bis dieser plötzlich heftig nach Luft schnappte und sich zur Seite drehte.

Für einige Sekunden verharrte der Kräganer starr an der Wand und sah ihn aus großen, wachsamen Augen an. All die Zeit hatte er sich gewünscht, dass er aufwachte. Dass er überlebte. Dass es ihm gut ging. Nun war der Augenblick gekommen und er war nervös. Spürte seinen eigenen Puls in den Ohren rauschen. Er war wach. Seven war wirklich wach. Die Freude darüber, beschleunigte seine Atmung umso mehr, doch allmählich wurde ihm bewusst wie dämlich er sich hier verhielt. Er war Derjenige der wusste was geschehen war. Er war der Heiler. Der Jangchi brauchte seine Stärke, seinen Beistand, seine Unterstützung. Also ließ er kurz die Augenlider sinken und besann sich selbst zur Ruhe, ehe er langsam und zielgerichtet auf ihn zuging. In den blauen Augen lag Wachsamkeit, aber auch Verwirrung. Er ging neben ihm in die Hocke und legte vorsichtig die Hand auf seinen Unterarm, der ihm aber sofort entrissen wurde. Abwartend und achtsam betrachtete Finuvandil den jungen Mann, der sich im Raum umsah. Dabei lag seine Aufmerksamkeit unter anderem auf seiner Ausrüstung und den Waffen, die der Kräganer in all der Zeit nicht angerührt hatte. Nach einem kurzen Augenblick, legte er nochmals die Hand auf seinen Arm und begann direkt mit der Übermittlung seiner Gefühle. "Hab keine Angst. Keine Angst. Du bist hier sicher. In Sicherheit." Im Gesicht des Sternenkriegers spiegelte sich Erkenntnis. Er erkannte ihn. Er erkannte seine Stimme. Ein glückliches Lächeln zauberte sich auf die Lippen des Kräganers und er nickte ihm sachte zu. Er vermittelte ihm, dass er lange geschlafen hatte und noch Ruhe brauchte und er sich um ihn kümmern würde. Danach stand er auf, stellte neben ihm Trinken und ein wenig Essen bereit. Er konnte es sich nehmen, so wie er wollte. Danach haderte er tatsächlich etwas mit sich. Sollte er weiter mit ihm kommunizieren oder... Nein. Nein, er würde ihm erstmal Zeit geben. Zeit lassen. Aber er würde hier sein, wann immer Seven bereit war mehr zu erfahren, würde er ihm alles erklären.

Dass der Sternenkrieger es nicht mochte berührt zu werden, konnte Finuvandil sehen und aufgrund der Ereignisse seiner Vergangenheit, war es auch nur allzu nachvollziehbar für ihn. Sicher würde er es nach all dem auch nicht mehr mögen, wenn ihn jemand anfasste. Dadurch gestaltete es sich Anfangs jedoch schwierig, wahrhaftig mit ihm in Kontakt zu treten. Gerne hätte der Kräganer eine andere Möglichkeit gewählt, um es ihm einfacher zu machen, aber er konnte mit ihm nur über Berührung und Übermittlung von Empfindungen kommunizieren. Anders ging es nicht. Genau diese Gedanken übertrug er ihm auch bei ihrer nächsten Verbindung. Auch verriet er ihm seinen Namen und erzählte von seiner Herkunft.
In den drei Wochen seiner Bewusstlosigkeit, hatte sich Sevens Körper sehr gut erholt und auch die Wunde an seinem Bauch verheilte ohne Komplikationen. Der Jangchi ließ ihn stets gewähren, wenn er die Verbände wechselte, auch wenn ihm sicher nicht wohl dabei war. Finuvandil versuchte auch sich dabei zu beeilen, doch nach und nach bekam er den Eindruck, dass es Seven mit jedem mal etwas leichter zu fallen schien. Gerade die händische Berührung zum Zwecke der Verständigung schien er für sich akzeptiert zu haben.
Da der junge Kräganer bereits so viel Einblicke in Sevens Welt bekommen hatte, fand er es nur fair, wenn er umgekehrt auch alles von sich preisgab. So begann er ihm von seiner Heimat zu erzählen. Von Krägan, den Indlalas, seinen Eltern, den Meteoriten, der Entführung durch die Nomaden, die lange Zeit der Einsamkeit und schließlich der unfreiwilligen Reise nach Epoch. Er erzählte ihm alles und konnte spüren, dass es den anderen auch wahrhaftig interessierte. Nun verstand der Jangchi auch, warum die Kräganer sich darauf spezialisiert hatten, über Gedanken zu kommunizieren und warum Finuvandil ihn unbedingt hatte retten wollen: Weil Seven auch ihn gerettet hatte.
Finuvandil hatte das Gefühl, dass sie sich mit jedem Tag mehr annäherten und das bereitete ihm sehr viel Freude.

Jahrelang war er allein gewesen. Hatte sich durch fremde Welten geschlagen und versucht zu überleben. Er hatte sich an die Einsamkeit gewöhnt und sich mit ihr arrangiert, aber gewollt, hatte er es nie. Und nun? Nun saß er hier, in seinem Versteck. Gegenüber von dem Mann, den er nach wie vor so oft 'Jangchi' nannte, obwohl er doch eigentlich 'Seven' hieß. Er fand, dass dieser Name - Vor allem Yulduzli Jangchi also Sternenkrieger, nicht nur zu ihm passte, sondern es spiegelte einfach wider, was Finuvandil in ihm sah: Einen mutigen Krieger von den Sternen. Der Schwarzhaarige selbst, schien sich daran auch nicht zu stören und darum versuchte er auch gar nicht erst, es abzulegen. Als Seven ihn dann darum bat, kräganisch zu lernen, war er aber doch sehr überrascht. Aber es machte ihn auch glücklich. Sehr, sehr, sehr glücklich und wieder einmal war er fasziniert von diesem Mann. Zum einen, weil er wirklich seine Heimatsprache lernen wollte (und sie dadurch vermutlich die letzten beiden Wesen im Universum waren, die dies konnten) und zum anderen, wie schnell er sie lernte.
Nun waren sie auch in der Lage, ohne Berührung zu kommunizieren und zunächst fühlte es sich für Finuvandil doch sehr befremdlich an. Jahrelang hatte er eigentlich nur geschwiegen, da er ja niemanden zum reden hatte und auch in der Zeit auf Krägan, hatten sie nicht viel gesprochen. Dennoch fühlte es sich schön an, in der Sprache zu sprechen, die für ihn Heimat bedeutete. Trotzdem neigte er weiterhin dazu, Seven eher anzufassen, um sich ihm mitzuteilen, statt sein Anliegen wörtlich kund zu tun. Die Macht der Gewohnheit ließ sich eben nur schwer ablegen. Doch bemerkte er, dass auch der Jangchi selbst keinesfalls abgeneigt war, diese Art der Kommunikation beizubehalten. Scheinbar hatte er sich mittlerweile daran gewöhnt. Ebenso wie sich Finuvandil an die 'Abkürzung' seines Namens gewöhnt hatte. Denn von Seven wurde er inzwischen nur noch FIN genannt.

Anderthalb Monate dauerte es, bis Sevens Körper wieder vollständig genesen war. Anfangs hatte Finuvandil noch die Sorge, dass der Jangchi ihn direkt verlassen könnte, so er geheilt war. Doch diese Sorge hatte ihn inzwischen verlassen, denn zwischen ihm und seinem Sternenkrieger, hatte sich etwas entwickelt.
Was bei Finuvandil mit Faszination und Sympathie begonnen hatte, hatte sich sehr schnell zu tieferen Gefühlen gewandelt. Schon bei dem Begleiten durch seine Vergangenheit, hatte sich sein Herz geregt und nun sprach es ganz deutlich zu ihm. Er kannte Seven, wie ihn keiner kannte. Er wusste um seine wahren Gefühle, Empfindungen und Gedanken. Finuvandil hatte die Seele dieses Mannes gesehen und für ihn war sie wunderschön.
Ebenso konnte er spüren, dass auch Seven auf ihn reagierte. Das sich etwas in ihm aufbaute, von dem er sich selbst geschworen hatte, es nie zuzulassen. Er wollte niemanden in sein Herz lassen und schon gar nicht in seinen Körper. Finuvandil sollte Derjenige sein, dem beides gelang.
Innerhalb kürzester Zeit hatte sich zwischen ihnen etwas so Reines, Inniges und Starkes entwickelt, dass sie in den kommenden Wochen kaum mehr taten, als Leidenschaft und Liebe miteinander zu teilen. Schon seit längerem hatte Finuvandil geglaubt in Seven seine Bestimmung gefunden zu haben, mittlerweile war er sich sicher: Seven war der Sinn seines Lebens. Ihm wurde Leben geschenkt um ihm seine Liebe zu geben.
Sie waren beide hier, auf Epoch. An diesem schrecklichen Ort, doch genau hier hatte sie ihr Schicksal zusammen geführt. Die klagenden Rufe in ihm waren verstummt, denn jetzt fing ein neues Leben an. An der Seite seines Yulduzli Jangchi.

Dreieinhalb Monate voller Liebe und Zärtlichkeit folgten und sie waren glücklich, einander gefunden zu haben. Wahrscheinlich hätten sie noch länger dort verweilt, wenn es nicht eines Tages diesen Funkspruch gegeben hätte.
Finuvandil war gerade dabei Essen für sie zuzubereiten, als er ein leises Rauschen vernahm, welches von Sevens Rüstung ausging. Auch der Jangchi wirkte direkt alarmiert und angespannt. Kurz darauf waren weite, jedoch klare Stimmen zu hören, die Seven in Aufruhr versetzten. Der Funkspruch wies darauf hin, dass die Red Wachters wohl bald auf dem Planeten aufschlagen würden und drängte die beiden somit zur Flucht.
Finuvandil hatte diesen Planeten mit Todesangst und Pein betreten, doch verließ er ihn nun mit Hoffnung, Dankbarkeit und der Liebe seines Lebens, weshalb er beinahe darum trauerte, ihr Versteck nun zu verlassen. Ihre kleine, heile Welt in der es nur sie beide gegeben hatte. Diese gemeinsame, intensive Zeit sollte ihr Leben dauerhaft prägen.
Auf die Frage hin, wohin sie nun gehen würden, erhielt der Kräganer eine Antwort, die ihn in Vorfreude versetzte und den Verlust ihrer kleinen Idylle wettmachte - Nach Seven Town.
Ihnen gelang die Flucht und Seven schaffte es sie beide sicher auf den Saturn zu bringen. Finuvandil wurde dort als ehemaliger Erdling vorgestellt, was auch zur Folge hatte, dass sein Name geringfügig abgeändert wurde. Finu Vandil, so wurde er nun bezeichnet, da ja alle Erdlinge sowas wie einen Nachnamen besaßen. Seven kümmerte sich um alles und verschaffte ihm eine Wohnung, hoch oben in einem Gebäude, sodass er allzeit über die Dächer der Stadt blicken konnte. Der Kräganer war fasziniert, erstaunt, glücklich und zeitgleich sehr, sehr überfordert. All der Trubel, die Lichter und Geräusche der Stadt führten in der ersten Zeit immer wieder zu Reizüberflutungen, da alles zu viel für seine scharfen Sinne war. Seven half ihm dabei, sich zu fokussieren, sodass es immer besser wurde. Außerdem fiel es ihm anfangs noch schwer, sich unter den Erdlingen wahrhaft wohl zu fühlen. Die letzten Jahre hatte er nur in Angst vor Fremden und allein gelebt. Immer wieder sah er sich um, ob ihm auch ja niemand in irgendeiner Weise Schaden zufügen wollte. Er wusste selbst, dass diese Furcht nur von der Zeit geheilt werden konnte. Er hatte dank Seven gelernt, wieder zu hoffen und zu vertrauen. Nun, musste er auch den nächsten Schritt gehen und anderen dieses Vertrauen schenken.

Fin lernte in dieser Zeit auch Franklin Richards kennen, den er bereits aus Sevens Erinnerungen kannte. Er kümmerte sich um die Vegetation des Planeten oder wie der Kräganer auch oft so simpel bei sich dachte: Er sorgte dafür, dass alles schön aussah.
Dass Seven nicht die ganze Zeit bei ihm bleiben konnte, war ihm von vornherein bewusst gewesen. Immerhin war sein Sevimli (Liebling) ein Sternekrieger. Natürlich musste er hin und wieder fort, schon allein, weil er noch immer nach etwas suchte. Einen Weg das Schicksal seines Bruders zu ändern. Dem Menschen den Seven, neben Finuvandil selbst, über alles liebte. Wie tief diese brüderliche Liebe war und wie stark der Wunsch ihn retten zu können, dessen war sich der Kräganer bewusst.
Nach wie vor suchte der Jangchi nach diesem Wesen welches in der Lage war die Vergangenheit ändern zu können. Gerüchte kamen auf, dass es sich möglicherweise auf dem Aschemond befand und so machte sich die Atlas, mit Seven an Bord, auf den Weg dorthin.
Finuvandil selbst blieb zurück, denn er war kein Krieger. Er tat das, was er immer tat: Auf seinen Sternenkrieger warten, doch trug er immer ein seltsames Gefühl in sich, wenn es um dieses Wesen ging. Er selbst wagte es noch immer nicht zu glauben, dass es so ein mächtiges Geschöpf dort draußen gab. Womöglich war es nichts als eine Geschichte. Eine Legende, die sich trauernde Leute erzählten. Doch wurde ihm nun schon öfters bewiesen, dass die Welt viel größer und fantastischer war, als er es sich jemals hatte vorstellen können. Sein Sevimli selbst, war für ihn der größte Beweis.
Davon ab, war es wichtig für Seven. Was auch immer sie fanden und was auch immer die Wahrheit war - er musste es erfahren, um zur Ruhe zu kommen. Solange es dort draußen nur den Hauch einer Chance gab, dass das Leben seiner Geschwister... das Leben von Cho gerettet werden konnte, würde er danach suchen. Dabei besaß er Fin's vollkommenes Verständnis und er unterstützte ihn dabei, aber Angst hatte er auch. Angst, dass dieses Wesen - wenn es wirklich so mächtig war, ihm etwas antun könnte oder für sein Wissen Gegenleistungen erwartete. Seven ging trotzdem. Weil er musste. Weil es sein Weg war und auf diesen würde Finuvandil ihn immer begleiten.

Lange Zeit hörte er nichts und je länger er wartete, desto unruhiger wurde er. Lief in der Wohnung auf und ab und sah sorgenvoll aus dem Fenster. Er hatte kein gutes Gefühl. Ganz und gar nicht. Sein Lebensstrom geriet völlig in Aufregung, sein Herz schlug schnell. Er konnte ihn spüren. Seine Seele. So klar. So deutlich. "Seven.." hauchte er fast erstickt und dann, ganz plötzlich fühlte er eine Energie hinter sich, die einer Explosion glich. Er drehte sich um und da stand er. Sein Yulduzli Jangchi war Heimgekehrt, doch war er nicht mehr der selbe. Langsam ging Fin auf ihn zu, während sein Körper noch immer schimmerte. "Du bist stärker", erkannte der Kräganer sofort und sah ihm tief in die Augen. Konnte spüren, was gerade geschehen war. Er machte ihm keinen Vorwurf. Das würde er nie, denn er verstand.
Behutsam legte er die Hände um das Gesicht seines Liebsten und hieß ihn in Wärme und Geborgenheit Willkommen. Er konnte seinen Schmerz fühlen, denn auf dem ehemaligem Erdmond war Nichts. Kein Wesen. Keine Anzeichen, dass es mal dort war. Nichts. Er wusste um die Verzweiflung und den Schmerz seines Sevimli und tat alles um diesen zu lindern. Manchmal gab es Wunden die so tief saßen, dass sie nie ganz heilten, man konnte ihnen nur Linderung verschaffen und genau das, versuchte er stets.
Nach diesem Ereignis blieb Seven ganze drei Wochen bei ihm, ehe ihn sein innerer Ruf wieder in die Ferne zog. Kurz darauf trat er jedoch von den Red Wachters zurück und kehrte zu Finuvandil nach Hause.
Der Kräganer genoss die Zeit mit seinem Liebsten sehr. Seven Town hatte er längst als sein neues zu Hause ins Herz geschlossen und auch wenn er sich immer draußen in der Natur am wohlsten fühlte, liebte er ihre Wohnung. Liebte es sich ans Fenster zu stellen und von dort oben einfach nur zu beobachten. Dies war ihre Heimat. Der Ort an dem sie zusammen glücklich waren und es bis zum Ende hätten sein können. Und doch, hielt das Schicksal eine weitere Wendung für sie bereit, als Franklin vom Far Shore berichtete. Dem Ort, an dem sich das Wesen aufhalten sollte.

Fin wusste, dass er Seven erneut ziehen lassen musste und doch, war es diesmal anders. Kurz vor seinem Aufbruch war die Unruhe in ihm stärker, als jemals zuvor. Der Kräganer selbst schob es auf die lange Zeit, die sie nun miteinander verbracht hatten und die Sehnsucht, die ihn jetzt wieder ereilen würde, da sein Jangchi fort ging. Ins Ungewisse. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie schwer ihm der Abschied diesmal fiel, wollte er ihm doch nicht das Gefühl geben, sich ihm in den Weg zu stellen. Er würde immer bei ihm sein, egal wo er war und er würde ihn bei allem unterstützen. Er kannte seine Seele. Kannte den größten, sehnsüchtigsten Wunsch seines Herzens: Cho zu retten. Finuvandil selbst hatte niemanden mehr. Niemanden, außer Seven. Daher wurden dessen Wünsche, auch zu seinen. Wenn es die Möglichkeit gab ihn vor dem Tod zu bewahren, dann musste Seven davon wissen. Der Kräganer hielt eisern an dieser Einstellung fest und verabschiedete seinen Sevimli mit Stolz, aber auch Sorge im Herzen.
Kurz bevor er ganz verschwand, fühlte Finuvandil einen eigenartigen Impuls in sich, der ihn nochmal dazu verleitete, seinen Namen zu nennen. Sein Sternenkrieger sah sich noch einmal um, doch auf einmal schien jede Klarheit in seinem Kopf wie weggewischt. Er unterdrückte die aufsteigenden Traurigkeit in seinem Inneren und blickte ihm tapfer entgegen. "Qalbim izlagan narsani topishingizni tilayman, azizim jangchi. Ich wünsche dir, dass du findest, wonach dein Herz sucht, mein geliebter Krieger." Dies waren die letzten Worte, die er an ihn richtete, ehe er fortging. Nachdem er verschwand, blieb Finuvandil noch Ewigkeiten an Ort und Stelle stehen, während sein Blick ins Leere gerichtet war. Er wünschte sich so sehr, dass er fand, wonach er suchte, denn nur dann, würde diese Reise ein Ende haben und sein Geist vielleicht endlich Ruhe finden, egal welche Antworten dieses Wesen hatte.

Finuvandil wusste nicht wie viel Zeit vergangen war. Tage? Wochen? Hätte man ihn gefragt wie lang Seven bereits fort war, er hätte es nicht beantworten können. Alles was er wusste war, dass es zu lang war und es fühlte sich nicht gut an. Er fühlte eine Beklommenheit in seinem Inneren. Sah die Welt um sich herum wie durch einen Filter. Und er wartete. Wartete auf ein Zeichen. Seine Rückkehr. Irgendwas. Warum erwachte er ständig schweißgebadet und mit einem pochenden Herzen? Warum hatte er keinen Hunger mehr? Irgendetwas ging in ihm vor. Eine Ahnung. Ein Flüstern. Ein Flüstern, dass er immer wieder von sich schob. Wollte der Sorge in sich keinen Raum lassen und dennoch, fühlte er sich rastlos.
Es war ein Moment, in dem er am Fenster stand und wieder einmal hinaus in die Welt blickte, als er etwas spürte. Etwas Vertrautes. Bekanntes. Warmes. „Seven“, wagten seine Lippen auszusprechen und er blickte rasch zur Seite. Ein Portal. Sein Herz begann zu flattern. Mit einem Mal wurde ihm heiß und dann, sah er einen Brief. Er griff danach und so er das tat, verschwand das Portal auch schon. Er schluckte schwer und seine Atmung wurde sogleich schwerer, doch seine Augen, begannen zu lesen.
Und zu lesen. Und zu lesen. Immer und immer wieder.

Man sagte immer, je öfter man sich mit etwas konfrontierte, dass einem Schmerzen bereitete, desto leichter wurde es. Finvuandil, konnte das nicht bestätigen. Nicht in diesem Augenblick. Nicht in diesem Moment. Nicht jetzt, da er diesen Brief von Seven in den Händen hielt. Er kannte die Zeilen bereits auswendig und dennoch las er sie immer wieder, beinahe so, als würde sich etwas ändern. Doch das tat es nicht.
Stille Tränen rannen ihm über die Wange und fielen geräuschlos auf den Boden. Seven berichtete davon, dass er das ‚Living Tribunal‘ tatsächlich gefunden hatte. Dieses übermächtige Wesen, gab es also wirklich und es hatte ihm einen Weg gezeigt. Eine Möglichkeit seine Geschwister… Cho zu retten. Doch der Preis dafür war hoch. Die Furcht, die Fin all die Zeit begleitet hatte, fand ihre Berechtigung. Für das Ändern der Vergangenheit forderte das Wesen eine Gegenleistung. Seven musste nicht nur zurück in seine Zeit und damit alles zurücklassen, was er hier gefunden hatte. Nein. Er musste auch selbst sterben.
Längst war ihm bewusst, was er da las. Was es für eine Bedeutung hatte und dennoch konnte er es nicht wirklich fassen. Immer und immer wieder las er die Zeilen. Spürte darin Hoffnung und Mut. Aber auch Trauer, Verlust und Schmerz. Seven wollte ihn nicht verlassen und doch musste er. Er hatte keine andere Wahl.
Langsam sank der Kräganer auf seine Knie. Starrte mit Tränenüberfüllten Augen auf den Brief. Auf das letzte Zeichen, seines Sternenkriegers. Finuvandil wollte so gern tapfer sein. Genauso mutig, wie es sein Sevimli immer war, doch es wollte ihm nicht gelingen. Mit einem Mal verlor sein Leben an Sinn. An Bedeutung.
Fest presste er seine Augen zusammen und versuchte ihn zu spüren. Seine Seele. Seine Gedanken. Er suchte nach ihm, doch alles was er fand, waren Erinnerungen. Alles stürzte über ihm ein und er fand keinen Halt mehr. Nichts ergab mehr Sinn.

Der Kräganer wusste, dass dies keine Entscheidung gewesen war, die allein das Herz gefällt hatte, denn dann wäre Seven wohl nie in der Lage gewesen, eine Wahl zu treffen. Nein, es war eine Entscheidung des Seelenfriedens und der Bestimmung. Von dem Zeitpunkt an, als Seven wusste was mit Cho passiert war, hatte er versucht dieses Schicksal von ihm abzuwenden. Es war sein sehnlichster Wunsch und nun, hatte er durch das Living Tribunal einen Weg gefunden. Doch was wurde dafür von ihm verlangt? Nicht nur, seine Liebe, die er zurückließ, sondern auch sein eigenes Leben. Und genau das, war für Finuvandil das schmerzlichste an all dem. Die Gewissheit, dass er zurück in seine Zeit ging, um zu sterben. Dass er sich selbst opfern würde, damit sein Bruder leben konnte. War das gerecht? Nein. Doch das Schicksal war nicht gerecht, das hatte der Kräganer bereits mehrmals selbst zu spüren bekommen.
Immer und immer wieder sah er auf die Stelle, an der das Portal erschienen war. Spürte dem Empfinden nach und dennoch war es jetzt leer und still im Zimmer. Genauso, wie in seinem Inneren. Seven hatte geschrieben, dass sein Herz bei ihm bleiben würde. Ebenso, war es andersherum. Egal wann er ging, wohin er ging. Er trug immer einen Teil von Finuvandil bei sich. Sein Herz. Seine Seele. Seine Liebe. Und so war es auch jetzt. Der Kräganer wusste, dass es der Weg war, der für seinen Jangchi bestimmt wurde. Wusste, dass er nur Frieden finden konnte, wenn er alles dafür gab, Cho zu retten. In sehr starken Momenten wünschte er ihm Erfolg auf seiner letzten Reise. In weniger starken Momenten weinte er bitterlich. Weinte um den Verlust seines Liebsten. Mehr als einmal fragte er sich, ob er in einer Welt leben konnte oder wollte, in der es Seven Sanchez nicht mehr gab. Wollte er Teil dieser trostlosen Welt sein? Er war seine Bestimmung gewesen. Seven und er sollten sich begegnen, um sich einander zu helfen. Um zusammen zu lernen was es hieß zu lieben. Und nun? Nun trennte sie nicht nur Distanz, sondern auch Zeit und Raum. Das Schicksal hatte sie gewaltsam auseinander gerissen und blutend zurück gelassen.
Letztlich kam Finunvandil aber zu dem Schluss, dass sein Sternenkrieger einen viel schwereren Weg zu gehen hatte, als er selbst. Er hatte sich zwischen ihm und Cho entscheiden müssen. Wissend, dass er sterben musste um jenen zu retten, den er so sehr liebte. Und dennoch hatte er sich dafür entschieden. Also stand es ihm, als Liebster dieses tapferen Kriegers, nicht zu in Schwäche zu verenden. Sein eigenes Leben frühzeitig zu beenden war nichts, was Seven gewollt hätte. Also würde er leben. In seiner Stadt. Er wusste nicht wie, aber er würde es versuchen.

Es war zwei Tage her, dass ihn Sevens Brief erreicht hatte. Seither war er kein einziges mal draußen gewesen. Er wollte niemanden sehen. Er wollte genau hier sein. Dort, wo er so viel Zeit mit ihm verbracht hatte. Dort, wo er ihn noch spüren konnte. Doch es reichte nicht. Würde nie wieder reichen. Also ging er immer wieder gedanklich auf Reisen. Versetzte sich selbst in einen Zustand der Regungslosigkeit, sodass er in seiner Gedankenwelt bei ihm sein konnte. Weit, weit, weit ging er dafür zurück, sodass er seine Seele in Epoch fand. Sie beide, umgeben von der Wildnis der Natur, in ihrem kleinen Versteck. Dort hatte alles begonnen. Dort erwachte sein Herz. Immer länger und länger verweilte er in dieser Welt. Seinem Paradies, während die Realität an ihm vorbeizog. Er hatte keine keine Angst sich irgendwann gänzlich hier zu verlieren und auch um den Gedankenstrom sorgte er sich wenig. Wenn es seine Bestimmung war nie wieder zu erwachen, dann sollte es so sein. Aber Finuvandils Körper entschied anders. Ließ ihn immer wieder aus seiner Fantasiewelt driften und konfrontierte ihn mit der Wirklichkeit.
Er war hin und hergerissen. Einerseits wollte er für Seven stark sein, andererseits fühlte er sich nicht so. Er fühlte sich schwach, unvollständig und leer. Nichts wünschte er sich mehr, als bei ihm zu sein. Zurück bei ihm. Seinem Sevimli. Seinem Sternenkrieger. Seinem Seven. Alles würde er dafür geben, aber es war hoffnungslos. Zumindest bis zu jenem Moment, als er von einem ganz bestimmtem Mann aufgesucht wurde: Doctor Doom.

Das Seven und Finuvandil etwas verband, war seinem Wissen nicht fern geblieben, schon allein, weil sie beide auch Kontakt zu Franklin hatten. Doctor Doom war keinesfalls erfreut darüber, dass Franklin fort war, sollte er doch gemeinsam mit ihm die Kolonie auf dem Saturn beschützen. Der Kräganer hatte zunächst keine Ahnung, worauf dieses Gespräch hinaus laufen sollte, konnte er schließlich kaum etwas daran ändern, dass sie gegangen waren. Doch dann erwähnte Doctor Doom etwas, dass sein stummes Herz langsam wieder erweckte. Er hatte die übrig gebliebene chronokinetische Energie von Franklin absorbiert, die durch deren Zeitsprung freigesetzt worden war und in die Zeitmaschine eingeflößt. Eben jene Zeitmaschine, durch die auch vor Jahren Seven und Franklin in diese Zeit gelangt waren.
Finuvandils Augen weiteten sich ungläubig, doch Doctor Doom fuhr rasch und hektisch fort. Sagte die Zeit drängte, da sich ansonsten die Energie verflüchtigte. Sie mussten also sofort handeln. Vorsichtig wagte es der Kräganer zu fragen was genau denn nun von ihm gewünscht war. Die Antwort, traf ihn wie ein Blitzschlag. "Was wohl? Du wirst ihnen nachreisen und Franklin davon überzeugen zurück zu kommen!"
Während Finuvandil ihm brav zur Zeitmaschine folgte, erklärte Doctor Doom weiter. Doch er hörte gar nicht mehr richtig zu. Alles Wichtige, hatte er ihm schon gesagt. Er sollte ihnen... nachreisen. Seven... hinter her reisen... Er würde ihn wieder sehen? In seiner Zeit? Der Kräganer schluckte, konnte gar nicht recht glauben, dass das wirklich passierte. Das es die Realität war. Zögerlich sah er zu Doctor Doom auf, fragte ihn, wann genau er bei ihnen ankommen würde. Da die Zeitmaschine nur mit Splittern der chronokinetischen Energie gefüttert worden war, konnte er aber keine genaue Antwort darauf geben. Für Doctor Doom stellte sich gar nicht erst die Frage, ob Finuvandil überhaupt wollte. Er hatte zu gehorchen. Er selbst konnte nicht gehen, hatte er doch schließlich geschworen die Kolonien auf dem Saturn zu schützen. Genau genommen war eine Frage auch gar nicht von Nöten, denn natürlich wollte er. Mehr als alles andere auf der Welt! Er konnte noch immer nicht glauben, dass sich seine Hoffnungen tatsächlich zu erfüllen schienen. Würde er wirklich Seven wiedersehen? Würde er bei ihm sein? In seiner Zeit?
Kurz darauf hörte er die mahnende Stimme Doctor Dooms, die ihn sogleich aus seinen Gedanken zog und achtsam werden ließ. Noch einmal erinnerte er ihn an die 'Aufgabe': Franklin wieder zurückzubringen, damit er ihn weiterhin unterstützte.
Jegliche Unsicherheit wich aus dem Gesicht des Kräganers, während er ihm entschlossen entgegenblickte. Sicher, er würde Franklin ausrichten was Doctor Doom gesagt hatte, doch darum ging es ihm nicht. Ihm ging es einzig und allein darum, wieder bei Seven zu sein und dazu, war ihm jedes Mittel recht. "Ich hole ihn zurück", sagte er fest, wollte er schließlich keinen Zweifel entstehen lassen. Nachher schickte er doch noch jemand anderen los. Doch gab es auf die Schnelle sicher niemand weiteren, der so eine enge Verbindung zu den beiden hatte, wie Finuvandil.
Dem großen Doctor Doom war anzumerken, dass er sich lieber allein darum gekümmert hätte, als das Schicksal seiner Kolonien in die Hände eines Jungspunds zu geben, doch er hatte keine andere Wahl - Zu Finunvandils Glück.
Er ließ seine Augenlieder sinken und spürte Franklins Energie nach, die langsam um ihn herum erwachte. Noch vor Kurzem hatte er allein in ihrer Wohnung gesessen. Gebrochen, trauernd, verletzt und nun? Nun gab es eine Chance. Eine Chance ihn wieder zu sehen. Ihn zu berühren, seine Stimme zu hören, seine Seele zu fühlen. Ihm beizustehen, bei allem was er vorhatte. Finuvandil erkannte dies als ein weiteres Zeichen ihrer Bestimmung. Sie sollten zusammen sein. Es war ihr gemeinsames Schicksal. Bring ihn zurück, hörte er noch einmal die Stimme von Doctor Doom, ehe ihn ein Sog auf Reisen nahm, den er nur allzu gerne Willkommen hieß.

Beziehungen
Familie
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Liebe
Du bist die Liebe und der Sinn meines Lebens. Dort wo du bist, ist auch meine Seele.
Freunde
Ich soll dir etwas, von deinem Großvater ausrichten...
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